RFID-Antennen und Reichweite: was wirklich darüber entscheidet.
Die Antenne bestimmt, ob ein Tag gelesen wird oder nicht — nicht der Chip und nicht die Software. Diese Seite erklärt Polarisation, Gewinn und Öffnungswinkel, die Frequenzbänder von LF bis UHF, den rechtlichen Rahmen in Europa und die Gründe, warum die Reichweite im Laden fast immer kleiner ausfällt als im Datenblatt.
- Was eine RFID-Antenne tut — am Reader und im Tag
- Polarisation: linear oder zirkular
- Gewinn, Öffnungswinkel, Nah- und Fernfeld
- Frequenzbänder und ihre Reichweiten
- Rechtlicher Rahmen: ETSI EN 302 208 und FCC
- Was die Reichweite in der Praxis begrenzt
- Antennenplatzierung im Laden
- NFC im Vergleich zu UHF-RFID
- Häufige Fragen
Was eine RFID-Antenne tut
Eine RFID-Antenne wandelt elektrische Leistung in ein elektromagnetisches Feld um und wieder zurück. Am Lesegerät strahlt sie die Sendeleistung ab und empfängt die Antwort des Tags. Im Tag übernimmt die Antenne zwei Aufgaben zugleich: Sie entnimmt dem Feld die Energie, mit der der Chip arbeitet, und sie sendet die gespeicherte Nummer zurück, indem sie ihre eigene Impedanz umschaltet und das ankommende Feld unterschiedlich stark reflektiert.
Die Antenne am Lesegerät
Am Reader hängt entweder eine externe Antenne über Koaxialkabel oder eine fest eingebaute, wie beim Handheld. Sie hat drei Aufgaben. Erstens: die Energie in den Raum bringen, in dem die Tags liegen. Zweitens: diese Energie so bündeln, dass sie dorthin geht, wo gelesen werden soll — und nicht in den Nebenraum. Drittens: das extrem schwache Rücksignal wieder aufnehmen. Dieses Rücksignal liegt typischerweise 60 bis 90 Dezibel unter dem Sendesignal, weshalb Reader und Antenne Sende- und Empfangspfad sauber trennen müssen.
Zwischen Reader und Antenne liegt das Kabel, und das kostet Leistung. Ein handelsübliches Koaxialkabel verliert bei 868 MHz je nach Typ etwa 0,2 bis 0,7 dB pro Meter. Bei fünf Metern dünnem Kabel geht also schnell die Hälfte der Sendeleistung verloren, bevor sie die Antenne erreicht. Bei fest installierten Anlagen ist das Kabel deshalb kein Nebenthema.
Die Antenne im Tag
Ein passiver Tag hat keine Batterie. Seine Antenne ist gleichzeitig Stromversorgung und Sender. Sie muss genug Leistung einsammeln, um den Chip zu wecken — moderne UHF-Chips brauchen dazu etwa −20 bis −22 dBm, also weniger als ein Hundertstel Milliwatt. Danach antwortet der Tag nicht mit einem eigenen Sender, sondern per Backscatter: Er verändert im Takt der Daten seine Antennenimpedanz und reflektiert das Reader-Feld mal stärker, mal schwächer. Der Reader liest diese Modulation aus seinem eigenen Echo heraus.
Die Länge der Tag-Antenne hängt direkt an der Frequenz. Bei 868 MHz beträgt die Wellenlänge rund 34,5 Zentimeter, ein Halbwellendipol also gut 16 Zentimeter. Weil ein Etikett nicht so groß sein darf, wird die Struktur mäanderförmig gefaltet und liegt am Ende bei 70 bis 100 Millimetern. Jede Faltung kostet Wirkungsgrad. Deshalb liest ein großes Etikett fast immer weiter als ein kleines, und deshalb ist die Tag-Antenne — nicht der Chip — der Hauptgrund für Reichweitenunterschiede zwischen zwei Etiketten.
Linear oder zirkular polarisiert
Polarisation beschreibt die Schwingungsrichtung des elektrischen Feldes. Eine linear polarisierte Antenne strahlt in einer festen Ebene und liest nur Tags gut, die parallel dazu ausgerichtet sind; steht der Tag um 90 Grad verdreht, bricht die Lesung ein. Eine zirkular polarisierte Antenne dreht die Feldebene fortlaufend und liest deshalb in jeder Drehlage — um den Preis von etwa 3 dB weniger Reichweite gegenüber dem optimal ausgerichteten linearen Fall.
Warum zirkular im Handel meist richtig ist
Ein UHF-Etikett ist im Kern ein Dipol. Es reagiert auf das Feld, das parallel zu seiner Längsachse schwingt. Ware am Ständer hängt jedoch nicht ausgerichtet: Ein Hangtag baumelt, dreht sich, liegt mal flach, mal hochkant. Mit einer linear polarisierten Antenne bedeutet das, dass ein Teil der Tags im Optimum steht und ein anderer Teil in einem tiefen Einbruch — bei exakt gekreuzter Lage liegt die Kopplung theoretisch bei null und praktisch 20 dB und mehr unter dem Maximum. Diese Tags fehlen dann in der Zählung.
Zirkulare Polarisation löst das, indem das Feld mit jeder Periode weiterdreht. Jeder Tag bekommt dadurch im Mittel dieselbe Kopplung, egal wie er hängt. Der Preis sind konstant rund 3 dB, weil immer nur die Feldkomponente wirkt, die gerade zur Tag-Achse passt. 3 dB entsprechen etwa 30 Prozent weniger Reichweite. Dieser gleichmäßige Verlust ist im Handel deutlich besser zu handhaben als vereinzelte Totalausfälle.
- Zirkular bei ungeordneter Ware: Warenständer, Tische, Kartons, Handheld-Inventur, Ausgangs-Gates.
- Linear bei kontrollierter Ausrichtung: Förderbänder, Etikettendrucker, Tunnelleser, Anwendungen mit maximaler Reichweite und stets gleich liegendem Tag.
Zirkulare Antennen gibt es links- und rechtsdrehend. Zwei Antennen mit gegenläufigem Drehsinn koppeln untereinander schlecht — das nutzt man gezielt, um zwei Lesezonen voneinander zu entkoppeln.
Gewinn, Öffnungswinkel, Nah- und Fernfeld
Der Antennengewinn in dBi gibt an, wie stark eine Antenne die Leistung gegenüber einem Kugelstrahler bündelt. Sie erzeugt dabei keine zusätzliche Energie: Mehr Gewinn bedeutet mehr Reichweite auf der Hauptachse und zugleich einen engeren Öffnungswinkel. Typische UHF-Gate-Antennen liegen bei 6 bis 9 dBi mit einem Öffnungswinkel von etwa 65 bis 70 Grad.
Gewinn (dBi)
dBi ist ein Verhältnis, kein Leistungswert. 3 dB mehr Gewinn verdoppeln die abgestrahlte Leistungsdichte in Hauptrichtung, 6 dB vervierfachen sie. Für die Reichweite gilt in erster Näherung: Vervierfachte Leistung bringt doppelte Reichweite, solange die Empfindlichkeit des Tags die Grenze setzt — die Leistung fällt auf dem Hinweg mit dem Quadrat der Entfernung. Reicht dagegen das Rücksignal nicht mehr aus, wird es deutlich ungünstiger, weil der Backscatter den Weg zweimal zurücklegt und in Summe mit der vierten Potenz abnimmt. Bei heutigen Readern ist meist der Hinweg der Engpass.
Öffnungswinkel
Der Öffnungswinkel, auch Halbwertsbreite, beschreibt den Winkelbereich, in dem noch mindestens die Hälfte der maximalen Leistungsdichte ankommt. Gewinn und Öffnungswinkel hängen zusammen: Eine Antenne mit 9 dBi leuchtet weiter, aber schmaler; eine mit 5 dBi deckt einen breiteren Bereich ab, kommt aber nicht so tief in den Raum. Für ein Gate an einer 2 Meter breiten Tür ist die breite Antenne meist die bessere Wahl, für einen langen Regalgang die schmale.
Nahfeld und Fernfeld
In unmittelbarer Nähe der Antenne verhält sich das Feld anders als in der Ferne. Als grobe Grenze gilt der Abstand von einer Wellenlänge geteilt durch 2π. Bei 868 MHz sind das rund 5,5 Zentimeter — alles darüber ist Fernfeld, und dort arbeitet UHF-RFID mit abgestrahlten Wellen und Backscatter. Bei 13,56 MHz beträgt die Wellenlänge dagegen etwa 22 Meter, die Grenze liegt bei rund 3,5 Metern. HF- und LF-Systeme arbeiten damit vollständig im Nahfeld und koppeln induktiv, also über das Magnetfeld, wie ein lose gekoppelter Transformator.
Das erklärt zwei praktische Unterschiede. Erstens fällt die Feldstärke im induktiven Nahfeld sehr steil ab, ungefähr mit der dritten Potenz der Entfernung — deshalb enden LF und HF nach Zentimetern und lassen sich zugleich sehr scharf begrenzen. Zweitens ist das Magnetfeld gegenüber Wasser deutlich unempfindlicher als das UHF-Fernfeld, weshalb HF dort eingesetzt wird, wo viel Flüssigkeit im Spiel ist.
- Wellenlänge bei 868 MHz
- rund 34,5 cm
- Halbwellendipol bei 868 MHz
- rund 16 cm, im Etikett auf 70–100 mm gefaltet
- Nahfeldgrenze bei 868 MHz
- rund 5,5 cm
- Gewinn Gate-Antenne
- typisch 6–9 dBi, zirkular
- Öffnungswinkel
- typisch 65–70 Grad bei 6–8 dBi
- Verlust durch zirkulare Polarisation
- rund 3 dB
- Chip-Empfindlichkeit UHF
- etwa −20 bis −22 dBm
- Kabelverlust bei 868 MHz
- etwa 0,2–0,7 dB je Meter
Frequenzbänder und ihre Reichweiten
RFID nutzt drei Frequenzbereiche. LF mit 125 bis 134 kHz erreicht wenige Zentimeter, HF mit 13,56 MHz bis etwa einen Meter, beide über induktive Kopplung im Nahfeld. UHF liegt in Europa bei 865 bis 868 MHz, arbeitet im Fernfeld mit Backscatter und erreicht mit passiven Tags je nach Aufbau mehrere Meter. Nur UHF erlaubt Pulkerfassung über mehrere Meter, die eine Inventur praktikabel macht.
| Frequenzband | Typische Reichweite | Typische Anwendung | Eignung für Modehandel |
|---|---|---|---|
| LF 125–134 kHz | wenige cm, bis ca. 10 cm | Tierkennzeichnung, Wegfahrsperre, Zutritt, Wäschemarkierung | ungeeignet — zu kurze Reichweite, kein Pulk |
| HF 13,56 MHz (inkl. NFC) | wenige cm bis ca. 1 m | Ausweise, Tickets, Bezahlkarten, Bibliothek, Produktechtheit | nur für Einzelabfragen am Tisch, nicht für Inventur |
| UHF (EU) 865–868 MHz | ca. 1–12 m | Handel, Logistik, Inventur, Warensicherung | Standard — Pulkerfassung, Handheld, Gate |
| UHF (USA) 902–928 MHz | ca. 1–15 m | dieselben Anwendungen, anderes Band und andere Grenzwerte | Standard in Nordamerika, Geräte nicht ohne Weiteres übertragbar |
| Mikrowelle 2,45 GHz, aktiv | ca. 30–100 m | Fahrzeuge, Container, große Betriebsmittel | ungeeignet — Tags kosten ein Vielfaches |
Reichweiten sind Spannen für passive Tags unter günstigen Bedingungen. Der tatsächliche Wert hängt von Tag-Größe, Antennengewinn, Sendeleistung, Untergrund und Umgebung ab und liegt in einem vollen Verkaufsraum regelmäßig am unteren Ende.
Der Sprung zwischen HF und UHF ist kein gradueller, sondern ein physikalischer. HF koppelt magnetisch und endet, sobald die Spule des Lesers das Feld nicht mehr trägt. UHF strahlt ab, und die Welle läuft weiter, bis sie zu schwach für den Chip ist. Erst das macht es möglich, mehrere hundert Tags pro Sekunde nacheinander antworten zu lassen — die Grundlage jeder RFID-Inventur.
Rechtlicher Rahmen in Europa und den USA
In Europa regelt ETSI EN 302 208 den UHF-RFID-Betrieb im Band 865 bis 868 MHz mit maximal 2 Watt ERP, was etwa 3,3 Watt EIRP entspricht. In den USA gilt FCC Part 15 für 902 bis 928 MHz mit bis zu 4 Watt EIRP und Frequenzsprungverfahren. Weil Band, Kanalraster und Leistungsgrenzen unterschiedlich sind, sind Lesegeräte nicht ohne Weiteres weltweit austauschbar.
Europa: ETSI EN 302 208
Die harmonisierte Norm EN 302 208 beschreibt die Bedingungen für RFID-Geräte im 865-bis-868-MHz-Band. Kernpunkte sind die Obergrenze von 2 Watt ERP, ein Kanalraster von 200 kHz und Verfahren, die dafür sorgen, dass sich mehrere Geräte im selben Raum nicht gegenseitig blockieren. Wichtig für die Praxis: Die 2 Watt gelten für die abgestrahlte Leistung, also für Sendeleistung plus Antennengewinn minus Kabelverlust. Wer eine 9-dBi-Antenne anschließt, muss am Reader entsprechend weniger einstellen als bei einer 6-dBi-Antenne.
Neuere Fassungen der Norm sehen zusätzlich ein oberes Band bei 915 bis 921 MHz vor, das in Deutschland und einigen weiteren Ländern freigegeben ist und höhere Leistungen erlaubt. Ob es genutzt werden darf, hängt an der nationalen Frequenzzuteilung und an der Zulassung des Geräts. Für einen normalen Modeladen spielt es keine Rolle — dort arbeitet praktisch alle Hardware im unteren Band.
USA und der Rest der Welt
Nordamerika nutzt 902 bis 928 MHz, ein deutlich breiteres Band, in dem die Geräte ständig die Frequenz wechseln. Zulässig sind dort bis zu 4 Watt EIRP. Das klingt nach dem Doppelten des europäischen Grenzwerts, ist es aber nicht: Die europäischen 2 Watt ERP entsprechen rund 3,3 Watt EIRP, der US-Grenzwert liegt also nur etwa 20 Prozent darüber. Reichweitenangaben aus amerikanischen Datenblättern lassen sich deshalb nicht eins zu eins auf einen deutschen Laden übertragen. Andere Regionen haben wiederum eigene Zuteilungen, etwa Japan und China im Bereich oberhalb von 900 MHz.
Für Tags ist das meist unkritisch: Handelsübliche UHF-Etiketten sind als Weltbandausführung für 860 bis 960 MHz ausgelegt und funktionieren in beiden Regionen, wenn auch nicht in beiden gleich weit. Kritisch ist die Leseseite. Ein in den USA gekaufter Reader ist in Europa nicht zulässig, und ein Handheld für Europa erreicht in den USA nicht die dort möglichen Reichweiten. Beim Kauf lohnt der Blick auf die Regionsvariante der Hardware.
Diese Seite ersetzt keine funkrechtliche Beratung. Maßgeblich sind die jeweils geltende Fassung der Norm und die nationale Frequenzzuteilung, in Deutschland die der Bundesnetzagentur.
Was die Reichweite in der Praxis begrenzt
Die Reichweite eines passiven UHF-Systems wird selten von der Sendeleistung begrenzt, sondern von der Umgebung. Metall reflektiert und verstimmt die Tag-Antenne, Wasser und der menschliche Körper absorbieren die Energie, kleine Tags sammeln weniger davon ein, und eine ungünstige Ausrichtung kostet zusätzlich. Zwischen Datenblattwert und Verkaufsraum liegt deshalb regelmäßig der Faktor zwei bis drei.
- Metall. Eine leitfähige Fläche direkt hinter dem Tag löscht das Feld nahezu aus. Ein Standardetikett flach auf Blech wird oft gar nicht gelesen. Metallregale, Kleiderstangen, Spiegel und Klimakanäle erzeugen zusätzlich Reflexionen und damit Zonen, in denen sich Wellen auslöschen.
- Flüssigkeiten. Wasser absorbiert im UHF-Bereich stark. Getränke, Kosmetik und feuchte Ware dämpfen das Signal deutlich. Nasse Kleidung liest sich schlechter als trockene.
- Der Körper. Menschen bestehen größtenteils aus Wasser und wirken damit wie ein Absorber. Wer das Handheld vor dem Bauch trägt, verschenkt Reichweite nach hinten; ein Tag zwischen Ware und Körper wird häufig nicht erfasst.
- Tag-Größe. Je größer die Antennenfläche, desto mehr Energie sammelt der Tag ein. Ein kleines Etikett für Schmuck liest 1 bis 2 Meter, ein großer Hangtag 4 bis 10 Meter.
- Ausrichtung. Selbst mit zirkularer Antenne bleibt ein Restfaktor: Zeigt die Dipolachse des Tags genau auf die Antenne, liegt sie in der Nullstelle der eigenen Richtcharakteristik. Ein Tag „auf Kante“ liest sich schlechter als einer, der der Antenne die Fläche zeigt.
- Abschattung im Pulk. Dicht gepackte Ware schirmt sich selbst ab. Das unterste Teil im Stapel wird oft erst beim zweiten Durchgang erfasst.
- Reflexionen. In Räumen mit vielen harten Flächen entstehen stehende Wellen mit Maxima und Minima im Abstand weniger Zentimeter. Deshalb hilft es, das Handheld beim Zählen leicht zu bewegen statt es still zu halten.
In der Praxis liegen die Leseraten je Durchgang bei getaggter Bekleidung je nach Aufbau und Vorgehen zwischen 97 und über 99 Prozent. Die verbleibenden Teile findet man mit einem zweiten Durchgang oder indem kritische Zonen — Metallregale, Schaufensterpuppen, Lagerecken — gezielt einzeln abgegangen werden. Wer 100 Prozent verspricht, hat die Physik nicht auf seiner Seite.
Antennenplatzierung im Laden
Für stationäre Anwendungen gibt es drei übliche Aufbauten: Gate-Antennen am Ausgang, die Bewegungen zwischen Verkaufsfläche und Außenwelt erfassen, Deckenantennen zur zonenweisen Überwachung und Smart Shelves mit Antennen direkt im Regalboden. Für einen kleinen Laden reicht meist ein Handheld, weil er dieselbe Erfassung mobil und ohne Installation leistet.
Gate am Ausgang
Zwei bis vier zirkular polarisierte Antennen links und rechts der Tür, meist auf zwei Höhen. Das Gate erkennt, welche Artikel den Laden verlassen — als Warensicherung und zugleich als automatische Abgangsbuchung. Die Herausforderung ist die Abgrenzung: Das Feld darf nicht in die Verkaufsfläche hineinreichen, sonst meldet das System Ware als verlassen, die nur in der Nähe der Tür hängt. Gelöst wird das über reduzierte Sendeleistung, Antennen mit engem Öffnungswinkel und die Auswertung der Reihenfolge, in der die Antennen einen Tag sehen.
Deckenantennen
Antennen in oder unter der Decke leuchten Zonen von unten nach oben aus. Sie eignen sich, um grob zu verfolgen, in welchem Bereich sich ein Artikel befindet — Verkaufsfläche, Anprobe, Lager. Die Genauigkeit liegt auf Zonenebene, nicht auf Regalebene, und der Aufwand steigt mit jeder zusätzlichen Zone.
Smart Shelf
Hier sitzt die Antenne direkt im Regalboden, oft als Nahfeldstruktur mit sehr kurzer Reichweite, damit nur die Artikel im eigenen Fach erfasst werden. Das liefert Bestandsdaten in Echtzeit und ohne Zutun, ist aber die teuerste Variante: Jedes Fach braucht eine Antenne, Verkabelung und einen Kanal am Reader. Sinnvoll ist das bei wenigen, hochwertigen Artikeln, etwa Uhren oder Schmuck.
Warum das Handheld meist reicht
Ein Handheld trägt seine Antenne mit sich. Damit ist die Reichweite kein Problem mehr, das man baulich lösen muss — man geht einfach näher heran. Für einen Laden mit einigen tausend Teilen bedeutet das: Eine vollständige Zählung dauert ein bis zwei Stunden, ohne dass eine einzige Antenne montiert werden muss. Genau deshalb setzt HANGCOUNT auf Handheld statt auf feste Installation; Gates und Smart Shelves lohnen sich erst, wenn Bestände permanent statt periodisch überwacht werden sollen.
NFC im Vergleich zu UHF-RFID
NFC ist eine Teilmenge von RFID im HF-Band bei 13,56 MHz. Es koppelt induktiv, arbeitet auf typischerweise 2 bis 4 Zentimetern und ist als Punkt-zu-Punkt-Verbindung für genau einen Datenträger ausgelegt. UHF-RFID bei 865 bis 868 MHz erfasst dagegen hunderte Tags pro Sekunde aus mehreren Metern. NFC ist deshalb kein Ersatz für die Pulkerfassung bei einer Inventur.
| Merkmal | NFC (HF) | UHF-RFID |
|---|---|---|
| Frequenz | 13,56 MHz | 865–868 MHz (EU) |
| Kopplung | induktiv, Nahfeld | Backscatter, Fernfeld |
| Reichweite | ca. 2–10 cm | ca. 1–12 m |
| Tags gleichzeitig | einer, Punkt zu Punkt | hunderte pro Sekunde |
| Lesegerät | jedes moderne Smartphone | Handheld, Gate, Tischleser |
| Etikettenpreis | ca. 0,15–0,50 € | ca. 0,04–0,20 € |
| Stärke | bewusste Einzelinteraktion, Bezahlen, Echtheitsprüfung | Massenerfassung, Inventur, Warenfluss |
Die Verwechslung ist verständlich, weil beide Verfahren dasselbe Grundprinzip nutzen: Ein Lesegerät versorgt einen batterielosen Datenträger und liest dessen Nummer aus. Der Unterschied liegt in der Physik dahinter. NFC ist bewusst kurzreichweitig konstruiert, weil Nähe hier ein Sicherheitsmerkmal ist: Wer bezahlt, soll genau eine Karte an genau ein Terminal halten. UHF ist auf das Gegenteil ausgelegt.
Praktisch heißt das: Ein Smartphone kann einen NFC-Tag im Etikett lesen und dem Kunden eine Produktseite zeigen. Es kann aber keinen Warenständer zählen. Wer beides will, arbeitet mit zwei Tags oder mit Dual-Frequency-Etiketten, die einen HF- und einen UHF-Chip tragen — das kostet mehr und ist für reine Bestandsführung unnötig.
Häufige Fragen zu RFID-Antennen
Was macht eine RFID-Antenne?
Die Antenne am Lesegerät wandelt die Sendeleistung in ein elektromagnetisches Feld um und nimmt die Antwort des Tags wieder auf. Die Antenne im Tag entnimmt diesem Feld die Energie, mit der der Chip arbeitet, und sendet die gespeicherte Nummer zurück, indem sie das Feld gezielt reflektiert. Ohne Antenne funktioniert weder die eine noch die andere Seite.
Linear oder zirkular polarisiert — was ist besser?
Zirkular polarisierte Antennen sind die richtige Wahl, wenn die Tags in beliebiger Lage hängen, also im Modehandel fast immer. Sie verlieren gegenüber einer perfekt ausgerichteten linearen Antenne rund 3 dB Reichweite, lesen dafür aber unabhängig von der Drehlage des Tags. Linear polarisierte Antennen erreichen mehr Reichweite, versagen aber, sobald der Tag um 90 Grad verdreht steht.
Welche Reichweite hat RFID?
Das hängt vom Frequenzband ab. LF mit 125 bis 134 kHz liest wenige Zentimeter, HF mit 13,56 MHz bis etwa einen Meter, passive UHF-Tags im europäischen Band 865 bis 868 MHz je nach Antenne, Tag und Umgebung zwischen einem und rund zwölf Metern. Metall, Flüssigkeiten und der menschliche Körper verkürzen diese Werte deutlich.
Welche Frequenzen nutzt RFID?
RFID nutzt drei Bereiche: LF mit 125 bis 134 kHz, HF mit 13,56 MHz und UHF. UHF ist regional unterschiedlich geregelt — in Europa 865 bis 868 MHz nach ETSI EN 302 208, in den USA 902 bis 928 MHz nach FCC Part 15. Chips und Tags sind meist als Weltbandausführung für 860 bis 960 MHz ausgelegt, Lesegeräte dagegen für ihre Region zugelassen.
Wie viel Sendeleistung ist in Europa erlaubt?
Im Band 865 bis 868 MHz erlaubt ETSI EN 302 208 maximal 2 Watt ERP, das entspricht rund 3,3 Watt EIRP. Diese Grenze gilt für die Kombination aus Sendeleistung und Antennengewinn, nicht für das Lesegerät allein. Wer eine Antenne mit höherem Gewinn anschließt, muss die Leistung am Reader entsprechend reduzieren.
Was ist der Unterschied zwischen NFC und RFID?
NFC ist eine Teilmenge von RFID. Es arbeitet auf 13,56 MHz im HF-Bereich, koppelt induktiv über das Magnetfeld und erreicht typischerweise 2 bis 4 Zentimeter, maximal etwa 10. NFC ist für die Einzelabfrage gedacht, etwa Bezahlen oder Ausweis. UHF-RFID erfasst dagegen hunderte Tags pro Sekunde aus mehreren Metern und ist damit die Technik für Inventur und Bestandsführung.
Was bedeutet dBi bei einer RFID-Antenne?
dBi gibt den Antennengewinn gegenüber einem gedachten Kugelstrahler an. Eine Antenne erzeugt keine zusätzliche Energie, sondern bündelt die vorhandene in eine Richtung. Mehr Gewinn bedeutet deshalb immer mehr Reichweite auf der Hauptachse und zugleich einen engeren Öffnungswinkel. Typische UHF-Gate-Antennen liegen bei 6 bis 9 dBi, Handheld-Antennen deutlich darunter.
Reicht ein Handheld für einen kleinen Laden?
In der Regel ja. Ein Handheld mit zirkular polarisierter Antenne liest getaggte Bekleidung aus etwa 3 bis 8 Metern und erfasst dabei hunderte Tags pro Sekunde. Fest installierte Gates, Deckenantennen oder Smart Shelves kosten mehr, brauchen Verkabelung und Einmessung und lohnen sich erst, wenn Bestände permanent statt periodisch überwacht werden sollen.
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