RFID-Tags: was drin steckt, was sie können, was sie kosten.
Ein Chip, eine Antenne, ein Stück Folie — und eine Nummer, die sich aus mehreren Metern Entfernung auslesen lässt. Diese Seite erklärt Aufbau, Frequenzen, Bauformen und Preise von RFID-Tags, ohne Marketingsprache und mit den Grenzen, die dazugehören.
- Was ein RFID-Tag ist und woraus er besteht
- Passiv, semi-passiv, aktiv — Reichweiten und Kosten
- Frequenzbereiche: LF, HF und UHF
- Bauformen im Vergleich
- Standards: EPC Gen2, UCODE, SGTIN-96
- Was RFID-Etiketten kosten
- Grenzen: Metall, Flüssigkeiten, Lesefehler
- Was im Modeeinzelhandel zu beachten ist
- Häufige Fragen
Was ein RFID-Tag ist und woraus er besteht
Ein RFID-Tag ist ein Datenträger, der eine gespeicherte Nummer per Funk an ein Lesegerät überträgt, sobald er in dessen Feld gerät. Er besteht aus drei Teilen: einem Mikrochip von etwa einem halben bis einem Millimeter Kantenlänge, einer geätzten oder gedruckten Antenne und einem Trägermaterial. Passive Tags haben keine Batterie — sie beziehen ihre gesamte Energie aus dem Funkfeld des Lesegeräts.
Der Chip
Der Chip ist ein integrierter Schaltkreis mit einem kleinen, nichtflüchtigen Speicher. Er enthält keine eigene Rechenlogik im Sinne eines Prozessors, sondern eine Zustandsmaschine: Er wacht auf, wenn genug Energie ankommt, hört auf Befehle des Lesegeräts und antwortet mit dem Inhalt seines Speichers. Typische Chipflächen liegen unter einem Quadratmillimeter.
Die Antenne
Die Antenne macht den größten Teil der Fläche aus. Bei UHF ist sie meist ein Dipol aus Aluminium oder Kupfer, rund 70 bis 100 Millimeter lang. Ihre Länge hängt direkt an der Frequenz: Je niedriger die Frequenz, desto größer die Antenne. Deshalb sind HF-Tags meist Spulen mit mehreren Windungen, UHF-Tags dagegen längliche Strukturen. Wer die Antenne knickt, durchsticht oder mit Metall abdeckt, verliert Reichweite.
Substrat und Inlay
Chip und Antenne sitzen auf einem Trägerfilm, meist PET-Folie oder Papier. Diese Einheit heißt Inlay und ist das Halbfabrikat, aus dem alle weiteren Bauformen entstehen. Ein Dry Inlay ist die nackte Folie, ein Wet Inlay hat bereits eine Klebeschicht. Erst die Konfektion macht daraus ein Etikett, einen Anhänger oder einen Hardtag.
- Chipfläche
- unter 1 mm²
- Speicher EPC
- 96 bis 496 Bit, je nach Chip
- Antennenlänge
- etwa 70 bis 100 mm bei 868 MHz
- Dicke
- Inlay rund 0,1 mm, fertiges Etikett 0,2 bis 0,4 mm
- Gewicht
- unter 1 Gramm
- Energiequelle
- keine — das Feld des Lesegeräts
- Lebensdauer
- keine Batterie, daher praktisch unbegrenzt
Passiv, semi-passiv, aktiv
RFID-Tags werden nach ihrer Energieversorgung unterschieden. Passive Tags haben keine Batterie, kosten wenige Cent und werden je nach Frequenz aus wenigen Zentimetern bis rund 12 Metern gelesen. Semi-passive Tags tragen eine Batterie für die Chipelektronik, funken aber weiterhin passiv. Aktive Tags senden mit eigener Energie und erreichen 50 Meter und mehr, kosten aber ein Vielfaches und leben nur so lange wie ihre Batterie.
| Bauart | Energie | Reichweite | Preis pro Stück | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| Passiv | nur aus dem Leserfeld | wenige cm bis ca. 12 m | ca. 0,04–0,20 € | Handel, Logistik, Bibliothek, Zutritt |
| Semi-passiv (BAP) | Batterie für den Chip, Antwort passiv | ca. 20–100 m | ca. 5–30 € | Temperaturaufzeichnung, Kühlkette, Sensorik |
| Aktiv | Batterie, sendet selbständig | ca. 50–500 m | ca. 15–80 € | Container, Fahrzeuge, große Betriebsmittel |
Preis- und Reichweitenangaben sind Richtwerte für den deutschen Markt und schwanken je nach Anwendung, Bauform, Chip und Abnahmemenge erheblich.
Für den stationären Handel ist die Entscheidung schnell getroffen: Nur passive Tags sind billig genug, um an jedes einzelne Kleidungsstück zu kommen. Ein Laden mit 4.000 Teilen würde mit aktiven Tags bei 15 Euro pro Stück fünfstellig landen, mit passiven Etiketten bei rund 500 Euro. Semi-passive und aktive Tags spielen ihre Stärke dort aus, wo es um wenige, teure, bewegliche Objekte geht — oder um Messwerte, die über die Zeit aufgezeichnet werden müssen.
LF, HF und UHF — und warum der Handel UHF nutzt
RFID arbeitet in drei Frequenzbereichen: LF mit 125 bis 134 kHz, HF mit 13,56 MHz und UHF, das in Europa nach ETSI EN 302 208 das Band 865 bis 868 MHz belegt und in den USA 902 bis 928 MHz. LF und HF koppeln über ein Magnetfeld und reichen wenige Zentimeter bis etwa einen Meter. UHF koppelt über ein elektromagnetisches Feld, erreicht mehrere Meter und kann hunderte Tags gleichzeitig erfassen — deshalb ist UHF im Handel der Standard.
| Bereich | Frequenz | Reichweite (passiv) | Normen | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| LF | 125–134 kHz | bis ca. 10 cm | ISO 11784/11785, ISO 18000-2 | Tierkennzeichnung, Zutritt, Wegfahrsperre |
| HF | 13,56 MHz | bis ca. 1 m | ISO 14443, ISO 15693, NFC | Ausweise, Tickets, Bibliothek, Bezahlkarten |
| UHF (EU) | 865–868 MHz | ca. 1–12 m | ETSI EN 302 208, ISO 18000-63 | Handel, Logistik, Inventur |
| UHF (USA) | 902–928 MHz | ca. 1–15 m | FCC Part 15, ISO 18000-63 | dieselben Anwendungen, anderes Band |
Warum UHF im Handel gewonnen hat
Vier Gründe, in dieser Reihenfolge:
- Pulkerfassung. Das Anti-Kollisionsverfahren von EPC Gen2 lässt hunderte Tags pro Sekunde nacheinander antworten. Ein voller Warenständer ist in Sekunden gezählt.
- Reichweite ohne Sichtkontakt. Ein Handheld liest durch Kartons, Stapel und geschlossene Schubladen. Beim Barcode muss jedes Teil in die Hand genommen werden.
- Preis. UHF-Inlays werden in Milliardenstückzahlen gefertigt. Kein anderes Auto-ID-Verfahren mit Einzelteilkennzeichnung ist derzeit so günstig pro Objekt.
- Ein Standard weltweit. EPC Gen2 beziehungsweise ISO 18000-63 ist von der Marke über den Distributor bis zum Laden dasselbe Protokoll.
Die unterschiedlichen Bänder in Europa und den USA sind in der Praxis kein Hindernis: Moderne Chips und Antennen sind als Weltbandausführung ausgelegt und arbeiten von 860 bis 960 MHz. Ein Unterschied bleibt aber: In Europa ist die abgestrahlte Leistung nach ETSI EN 302 208 auf 2 Watt ERP begrenzt, in den USA sind 4 Watt EIRP zulässig. Reichweitenangaben aus amerikanischen Datenblättern lassen sich deshalb nicht eins zu eins auf einen deutschen Laden übertragen.
Inlay, Etikett, Hangtag, Wäschetag, Hardtag, On-Metal
Alle Bauformen enthalten dasselbe Grundelement, ein Inlay aus Chip und Antenne, unterscheiden sich aber in Konfektion und Robustheit. Für Bekleidung dominieren selbstklebende Etiketten und Hangtags zu rund 12 bis 15 Cent, für Mietwäsche waschbare Textiltags, für Warensicherung wiederverwendbare Hardtags und für metallische Objekte On-Metal-Tags mit Abstandshalter.
| Bauform | Aufbau | Reichweite | Preis pro Stück | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| Inlay (dry/wet) | Chip und Antenne auf PET- oder Papierfolie, ohne Deckschicht | 3–8 m | ca. 0,04–0,10 € | Halbfabrikat für Etikettenhersteller, Einlaminieren in Karten |
| Selbstklebe-Etikett (Smart Label) | Wet Inlay zwischen Thermopapier und Kleber, bedruckbar | 3–8 m | ca. 0,12–0,15 € | Preisetikett, Kartonkennzeichnung, Lager |
| Hangtag (Anhänger) | Karton oder Kunststoff mit eingelegtem Inlay, mit Öse | 4–10 m | ca. 0,12–0,20 € | Bekleidung, Schuhe, Accessoires |
| Wäschetag (Textiltag) | Inlay in Silikon oder Gewebe eingeschweißt, waschbar | 1–3 m | ca. 0,40–1,50 € | Mietwäsche, Berufskleidung, Hotel, Klinik |
| Hardtag | Kunststoffgehäuse mit Nadel, oft mit EAS-Funktion, wiederverwendbar | 4–8 m | ca. 0,80–2,50 € | Warensicherung, hochwertige Mode |
| On-Metal-Tag | Inlay mit Ferritschicht und Abstandshalter, oft im Hartgehäuse | 1–6 m | ca. 0,50–5,00 € | Werkzeuge, Maschinen, IT-Geräte, Gasflaschen |
Richtwerte für Deutschland bei kleinen bis mittleren Abnahmemengen, netto, ohne Bedruckung und Kodierung. Reichweiten gemessen mit handelsüblichen UHF-Handhelds unter günstigen Bedingungen — im Regal, zwischen Ware und in der Nähe von Metall liegen sie niedriger.
Die Wahl der Bauform entscheidet sich fast immer an drei Fragen: Bleibt der Tag am Produkt oder wird er entfernt? Muss er Wasser, Hitze oder mechanische Belastung aushalten? Und sitzt er auf oder in der Nähe von Metall? In der Mode lautet die Antwort meistens: entfernbar, keine besondere Belastung, kein Metall — also ein günstiges Papieretikett oder ein Hangtag.
EPC Gen2, UCODE und was auf dem Tag gespeichert ist
Passive UHF-Tags im Handel folgen dem Luftschnittstellenprotokoll EPC UHF Gen2 von GS1, das als ISO/IEC 18000-63 international genormt ist. Der Chipspeicher ist in vier Bänke geteilt: einen reservierten Bereich für Kill- und Access-Passwort, den EPC-Speicher mit der eigentlichen Objektnummer, die unveränderliche TID mit Hersteller- und Chipkennung und optional einen frei beschreibbaren User Memory.
EPC Gen2 und ISO 18000-63
Gen2 regelt, wie Lesegerät und Tag miteinander sprechen: Wie der Tag geweckt wird, wie bei vielen gleichzeitig antwortenden Tags Kollisionen aufgelöst werden, wie geschrieben, gesperrt und dauerhaft deaktiviert wird. Weil das Protokoll offen und weltweit identisch ist, funktioniert ein Etikett von Hersteller A mit einem Lesegerät von Hersteller B. Das ist der praktische Grund, warum Sie sich beim Etikettenkauf nicht an einen Hardwarelieferanten binden müssen.
Chipfamilien
Am Markt dominieren wenige Chipfamilien. Am bekanntesten ist UCODE von NXP, aktuell in den Generationen UCODE 8 und UCODE 9, daneben stehen Impinj-Chips der Monza- und M700-Reihe sowie Higgs von Alien. Die Unterschiede liegen in Empfindlichkeit, Speichergröße und Zusatzfunktionen — etwa eingebauten Selbsttests oder einer Anzeige, ob ein Tag schon einmal gelesen wurde. Für den Modehandel sind die Unterschiede zweitrangig; entscheidend ist, dass der Chip Gen2-konform ist.
TID, EPC und User Memory
- Reserved: Kill-Passwort und Access-Passwort, jeweils 32 Bit. Mit dem Kill-Passwort lässt sich ein Tag unwiderruflich abschalten.
- EPC: die Objektnummer, die beim Kodieren geschrieben wird. Sie ist änderbar, solange sie nicht gesperrt wurde.
- TID: vom Chiphersteller vergeben, schreibgeschützt. Sie enthält Hersteller- und Modellkennung, bei vielen Chips zusätzlich eine weltweit eindeutige Seriennummer. Damit lässt sich prüfen, ob ein Tag geklont wurde.
- User Memory: optionaler freier Speicher, je nach Chip 32 bis mehrere hundert Bit. Im Handel meist ungenutzt.
SGTIN-96
Im EPC-Speicher steht bei Handelsware üblicherweise eine SGTIN-96: eine 96 Bit lange Serialised Global Trade Item Number. Sie besteht aus dem GS1-Unternehmenspräfix, der Artikelreferenz und einer Seriennummer. Der Unterschied zum Barcode ist genau diese Seriennummer. Ein EAN-Barcode sagt „Hose, Modell X, Größe 32“. Eine SGTIN sagt „diese eine Hose, Modell X, Größe 32, Stück Nummer 000147“. Deshalb lässt sich mit RFID nicht nur zählen, wie viele Teile da sind, sondern auch, ob ein bestimmtes Teil noch da ist.
Wer keine eigene GS1-Nummernkapazität hat, kann auch mit einer internen Nummerierung arbeiten. Für den geschlossenen Kreislauf innerhalb eines Ladens reicht das. Sobald Tags mit Lieferanten oder Plattformen ausgetauscht werden, ist die GS1-konforme SGTIN der sicherere Weg.
Was RFID-Etiketten kosten
Passive UHF-Etiketten kosten in Deutschland in Kleinmengen, also bei Abnahme einzelner Rollen, rund 12 bis 15 Cent pro Stück. Großabnehmer mit fünfstelligen Jahresmengen zahlen unter 5 Cent. Spezialbauformen wie waschbare Wäschetags, Hardtags oder On-Metal-Tags liegen je nach Ausführung zwischen 40 Cent und mehreren Euro pro Stück.
Den Preis bestimmen im Wesentlichen fünf Faktoren:
- Abnahmemenge. Der größte Hebel. Zwischen einer Rolle mit 1.000 Stück und einer Jahresabnahme von 500.000 Stück liegt leicht der Faktor drei.
- Bauform. Ein Papieretikett ist ein Massenartikel, ein eingeschweißter Wäschetag ein Industrieprodukt mit mehreren Fertigungsschritten.
- Chip und Antennengröße. Größere Antennen kosten mehr Material, empfindlichere Chips mehr Lizenz.
- Bedruckung und Kodierung. Vorbedruckt und vorkodiert vom Lieferanten ist bequem, aber teurer und unflexibel. Wer selbst mit einem RFID-Drucker arbeitet, kauft Blankoetiketten.
- Konfektion. Sonderformate, Perforationen, Ösen oder besondere Kleber schlagen jeweils mit wenigen Cent zu Buche.
Für die Kalkulation eines Ladens ist die einfachste Rechnung die richtige: Etiketten sind Verbrauchsmaterial und fallen einmal pro Teil an. Ein Laden mit 4.000 Teilen im Bestand zahlt für die Erstauszeichnung bei 12 Cent rund 480 Euro. Danach kostet nur noch die neue Ware — bei 6.000 zugekauften Teilen im Jahr also etwa 720 Euro. Das ist eine Größenordnung, die sich neben Preisschild und Etikettendruck gut einordnen lässt.
Alle Preisangaben sind Nettorichtwerte für den deutschen Markt im Jahr 2026 und können je nach Anwendung, Lieferant und Rohstofflage abweichen.
Metall, Flüssigkeiten und Lesefehler
RFID hat physikalische Grenzen. Metall reflektiert UHF-Funkwellen und verstimmt die Tag-Antenne, Wasser und wasserhaltige Produkte absorbieren die Energie, sodass ein Standardetikett direkt auf Metall oder auf einer gefüllten Flasche oft gar nicht antwortet. Dazu kommen Lesefehler durch Abschattung in dichten Warenstapeln und Phantomlesungen aus Nachbarräumen.
Metall
Eine leitfähige Fläche direkt hinter der Antenne löscht das Feld praktisch aus. Klebt ein Standardetikett flach auf Blech, sinkt die Reichweite häufig auf null. Abhilfe schaffen On-Metal-Tags: Sie haben eine Ferrit- oder Schaumschicht als Abstandshalter und nutzen die Metallfläche als Teil der Antenne. Sie kosten ein Vielfaches und sind dicker.
Flüssigkeiten
Wasser absorbiert im UHF-Bereich stark. Getränke, Kosmetik, Reinigungsmittel und feuchte Ware schwächen das Signal. Auch nasse Kleidung liest sich schlechter als trockene. In diesen Fällen wird der Tag versetzt platziert, auf einen Abstandshalter gesetzt oder auf HF ausgewichen, das gegenüber Wasser unempfindlicher ist.
Überlagerung und Pulk
Antworten sehr viele Tags gleichzeitig, kommt es zu Kollisionen. Gen2 löst das mit einem Slot-Verfahren, in dem jeder Tag zufällig einen Zeitschlitz wählt. Das funktioniert gut, kostet aber Zeit: Je dichter der Pulk, desto mehr Durchgänge braucht das Lesegerät. Dicht gepackte Ware im Karton liest sich deshalb langsamer als locker hängende Ware am Ständer.
Lesefehler in beide Richtungen
- Fehlende Lesungen entstehen durch Abschattung: Ein Teil liegt ganz unten im Stapel, hinter einem Spiegel oder direkt an einem Metallregal.
- Phantomlesungen entstehen, wenn das Gerät Tags aus dem Nebenraum, dem Schaufenster oder dem Nachbarladen erfasst. Gegenmittel sind reduzierte Sendeleistung, gerichtete Antennen und ein sauberer Zonenschnitt.
In der Praxis liegen die Leseraten je Durchgang bei getaggter Bekleidung je nach Aufbau und Vorgehen typischerweise zwischen 97 und über 99 Prozent. Wer die letzten Zehntel braucht, geht ein zweites Mal durch den Raum oder zählt kritische Zonen einzeln nach. Eine hundertprozentige Garantie gibt kein seriöser Anbieter.
Was im Modehandel zu beachten ist
Im Modehandel sitzt der RFID-Tag entweder im Preisanhänger oder als Etikett im Saum beziehungsweise am Pflegeetikett. Der Anhänger lässt sich beim Verkauf abreißen, das eingenähte Etikett bleibt am Teil und muss stattdessen deaktiviert oder in der Software als verkauft gebucht werden. Auf dem Tag steht dabei nur eine Nummer, keine Kundendaten.
Platzierung
Die einfachste Variante ist der Hangtag: Das Etikett wird zusammen mit dem Preisschild angebracht, hängt frei in der Luft und liest sich hervorragend. Es verlässt das Teil beim Verkauf automatisch. Wer Ware auch in der Anprobe und im Umlauf verfolgen will, setzt das Etikett stattdessen in den Saum oder auf das Pflegeetikett — das ist unauffälliger, aber die Reichweite sinkt, weil das Etikett zwischen Stofflagen liegt.
Bei Schuhen wird der Tag in den Karton geklebt oder in das Innenfutter gelegt. Bei Accessoires mit Metallanteil, etwa Gürtelschnallen oder Schmuck, sollte der Abstand zum Metall mindestens einige Millimeter betragen.
Deaktivierung beim Verkauf
- Entfernen: Anhänger ab, Etikett weg. Am einfachsten und am günstigsten.
- Kill-Befehl: Der Tag wird per Gen2-Kommando unwiderruflich abgeschaltet. Er antwortet danach nie wieder. Erfordert das Kill-Passwort und ein Gerät an der Kasse.
- Statuswechsel: Der Artikel wird in der Bestandssoftware als verkauft gebucht. Der Tag funkt zwar weiter, wird beim Zählen aber ignoriert. In Systemen wie HANGCOUNT ist das der übliche Weg, weil er ohne Zusatzhardware an der Kasse auskommt.
Datenschutz
Auf einem Handels-Tag steht eine Nummer — typischerweise eine SGTIN aus Artikel- und Seriennummer. Weder Name noch Adresse noch Kaufhistorie liegen auf dem Chip. Ein Personenbezug im Sinne der DSGVO entsteht erst, wenn diese Nummer in einem System mit Kundendaten zusammengeführt wird, etwa bei einer Kundenkarte. Wer das nicht tut, verarbeitet mit RFID keine personenbezogenen Daten.
Trotzdem gilt: Tags, die das Geschäft am Produkt verlassen, sollten für Kundinnen und Kunden erkennbar sein. GS1 und Verbraucherschutzverbände empfehlen eine sichtbare Kennzeichnung des Etiketts und eine Information darüber, wie es entfernt oder deaktiviert werden kann. Das ist wenig Aufwand und nimmt der Diskussion die Schärfe.
Häufige Fragen zu RFID-Tags
Was ist ein RFID-Tag?
Ein RFID-Tag ist ein Datenträger, der eine gespeicherte Nummer per Funk an ein Lesegerät überträgt. Er besteht aus einem Mikrochip, einer Antenne und einem Trägermaterial. Passive Tags haben keine Batterie: Sie beziehen ihre Energie aus dem Funkfeld des Lesegeräts und antworten, solange sie sich in diesem Feld befinden.
Was kostet ein RFID-Tag in Deutschland?
Ein passives UHF-Etikett kostet in Kleinmengen, also bei Abnahme einzelner Rollen, in Deutschland rund 12 bis 15 Cent pro Stück. Großabnehmer mit fünfstelligen Jahresmengen zahlen unter 5 Cent. Spezialbauformen wie waschbare Wäschetags oder On-Metal-Tags liegen deutlich darüber, je nach Ausführung zwischen 40 Cent und mehreren Euro.
Welche Reichweite hat ein RFID-Tag?
Bei passiven UHF-Tags im europäischen Band 865 bis 868 MHz liegt die praktische Lesereichweite je nach Antennengröße, Lesegerät und Untergrund zwischen etwa 1 und 12 Metern. HF-Tags mit 13,56 MHz lesen bis rund einen Meter, LF-Tags mit 125 kHz nur wenige Zentimeter. Aktive Tags mit eigener Batterie erreichen 50 Meter und mehr.
Was ist der Unterschied zwischen RFID-Tag, RFID-Label und Transponder?
Die Begriffe meinen dasselbe Bauteil in unterschiedlicher Konfektion. Transponder ist der technische Oberbegriff aus Transmitter und Responder. Tag bezeichnet den fertigen Datenträger in beliebiger Bauform. Label oder Etikett meint die selbstklebende, bedruckbare Variante, in der ein Inlay zwischen Papier und Kleber sitzt.
Warum nutzt der Einzelhandel UHF und nicht NFC?
UHF-Tags im Bereich 865 bis 868 MHz lassen sich im Pulk lesen: Ein Handheld erfasst hunderte Etiketten pro Sekunde aus mehreren Metern Entfernung, ohne Sichtkontakt. NFC arbeitet mit 13,56 MHz und einigen Zentimetern Reichweite und ist damit für Einzelabfragen gedacht, nicht für die Erfassung eines ganzen Warenständers.
Kann ein RFID-Tag personenbezogene Daten enthalten?
Auf einem Handels-Tag steht in der Regel nur eine Nummer, meist eine SGTIN nach GS1-Standard aus Artikelnummer und Seriennummer. Name, Adresse oder Kaufhistorie stehen nicht auf dem Tag. Ein Personenbezug entsteht erst, wenn diese Nummer in einem System mit Kundendaten verknüpft wird, und dafür gelten die üblichen Anforderungen der DSGVO.
Stören Metall und Flüssigkeiten die Lesung?
Ja. Metall reflektiert die Funkwellen und verstimmt die Tag-Antenne, Wasser und wasserhaltige Produkte absorbieren Energie im UHF-Bereich. Ein Standardetikett direkt auf Metall wird oft gar nicht gelesen. Für solche Fälle gibt es On-Metal-Tags mit Abstandshalter und Ferritschicht, die die Metallfläche als Teil der Antenne nutzen.
Muss das RFID-Etikett beim Verkauf entfernt werden?
Nicht zwingend, aber es muss aus dem Bestand verschwinden. In der Praxis gibt es drei Wege: das Etikett wird mit dem Anhänger abgerissen, es wird per Kill-Befehl dauerhaft deaktiviert, oder der Artikel wird in der Software als verkauft gebucht und beim nächsten Zählen ignoriert. Welcher Weg passt, hängt vom Ladenkonzept ab.
Sie wollen wissen, was das für Ihren Laden bedeutet?
HANGCOUNT bietet RFID-Inventur für Modeläden, Boutiquen und Sportfachgeschäfte an: Software ab 99 Euro im Monat pro Standort, dazu einmalig 2.900 Euro für RFID-Drucker und Handheld. Etiketten kommen nach Verbrauch dazu. Alle Preise netto.