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RFID-Reader: welche Bauform passt, was sie kostet.

Der Reader ist das Gerät, das die Tags zum Sprechen bringt. Diese Seite erklärt, wie ein RFID-Lesegerät technisch arbeitet, welche Bauformen es gibt, was gängige Modelle in Deutschland kosten und worauf ein kleiner Laden bei der Auswahl wirklich achten muss.

Grundlagen

Was ein RFID-Reader ist und wie er funktioniert

Kurze Antwort

Ein RFID-Reader ist ein Sende- und Empfangsgerät, das über eine Antenne ein Trägersignal im UHF-Band 865 bis 868 MHz abstrahlt. Passive Tags im Feld gewinnen daraus ihre Betriebsenergie und antworten, indem sie das eintreffende Signal reflektieren und dabei modulieren — dieses Verfahren heißt Backscatter. Der Reader filtert die zurückgeworfene Welle aus seinem eigenen Sendesignal heraus und gewinnt daraus die auf dem Chip gespeicherte Nummer.

Das Trägersignal

Der Reader sendet zunächst eine unmodulierte Welle, den Carrier. Diese Welle hat zwei Aufgaben gleichzeitig: Sie transportiert Energie zum Tag, und sie dient dem Tag als Träger für seine Antwort. Ein passiver Tag hat keinen eigenen Sender. Er richtet die empfangene Hochfrequenz gleich, lädt einen winzigen Kondensator und schaltet damit seine Zustandsmaschine ein. Reicht die Energie nicht, bleibt der Tag stumm — das ist der eigentliche Grund, warum Reichweite bei RFID keine scharfe Kante hat, sondern ein Feld mit weichen Rändern.

Backscatter statt Senden

Für die Antwort schaltet der Tag die Impedanz seiner Antenne im Takt der Daten um. Mal passt die Antenne zum Chip, mal nicht; entsprechend wird mehr oder weniger Energie reflektiert. Der Reader sieht das als winzige Amplitudenänderung in seinem eigenen Signal. Weil das reflektierte Signal um Größenordnungen schwächer ist als das gesendete, sitzt der eigentliche Aufwand eines guten Readers nicht im Sendeteil, sondern im Empfänger und in der Entkopplung beider Pfade.

Antikollision nach EPC Gen2

Im Feld liegen selten einzelne Tags. In einem Warenständer antworten hunderte gleichzeitig, und ohne Regelung würde sich alles gegenseitig zerstören. EPC Gen2, normiert als ISO/IEC 18000-63, löst das mit einem geschlitzten Zufallsverfahren, dem sogenannten Slotted-Aloha-Prinzip:

  • Der Reader ruft eine Inventurrunde auf und gibt eine Anzahl Zeitschlitze vor, den Q-Wert.
  • Jeder Tag würfelt sich einen Schlitz aus und schweigt, bis dieser an der Reihe ist.
  • Antwortet in einem Schlitz genau ein Tag, bestätigt der Reader und liest dessen EPC aus.
  • Antworten mehrere, kollidieren sie; der Reader erhöht den Q-Wert und startet eine neue Runde.
  • Bereits gelesene Tags werden auf einen anderen Zustand gesetzt und melden sich in derselben Inventurrunde nicht erneut.

Der Q-Wert wird von guten Readern automatisch nachgeführt. Genau dieses Verfahren ist der Grund, warum sich ein voller Ständer in Sekunden zählen lässt, während der Barcode jedes Teil einzeln in die Hand verlangt.

Ein UHF-Reader in Zahlen
Frequenzband EU
865–868 MHz
Max. Sendeleistung EU
2 W ERP nach ETSI EN 302 208
Protokoll
EPC Gen2 v2 / ISO 18000-63
Leserate
mehrere hundert Tags pro Sekunde, je nach Gerät
Reichweite mobil
etwa 1 bis 12 m, je nach Tag und Umgebung
Schnittstellen
WLAN, Bluetooth, USB, bei Fixed Readern zusätzlich Ethernet
Zusatzsensorik
häufig 1D/2D-Imager für Barcodes
Bauformen

Vom Sled bis zum Inventurroboter

Kurze Antwort

RFID-Lesegeräte gibt es als mobile und als fest installierte Bauform. Mobil sind Sleds zum Aufstecken auf ein Smartphone, Android-Terminals mit integriertem UHF-Modul und robuste Geräte mit Pistolengriff. Fest installiert sind Fixed Reader mit externen Antennen, RFID-Gates am Ausgang, Tunnel- und Tischleser sowie Smart Shelves im Regal. Im stationären Modehandel deckt ein einziges mobiles Gerät den Großteil aller Aufgaben ab.

Sled am Smartphone

Ein Sled ist ein RFID-Modul mit eigenem Akku, Antenne und Abzug, in das ein vorhandenes Smartphone eingeklinkt wird. Die Verbindung läuft über Bluetooth oder über einen Steckkontakt. Vorteil: Das Display, die Kamera und die Rechenleistung sind ohnehin da, das Gerät ist leicht und die Bedienoberfläche ist die gewohnte App. Nachteil: zwei Akkus, zwei Geräte, und ein privates Telefon ist selten so robust wie ein Industriegerät.

Mobiles Terminal mit Pistolengriff

Der Klassiker für Inventuren größerer Flächen. Display, Rechner, RFID-Modul und Antenne sitzen in einem Gehäuse, der Griff nimmt Gewicht von Handgelenk und Unterarm. Diese Geräte sind für Sturzhöhen um anderthalb Meter ausgelegt und laufen einen kompletten Arbeitstag. Sie sind die schwerste und teuerste mobile Bauform, aber die angenehmste, wenn jemand zwei Stunden am Stück durch den Laden geht.

Kompaktes Android-Terminal ohne Griff

Ein Smartphone-ähnliches Gerät mit eingebautem UHF-Modul, meist 200 bis 350 Gramm. Reichweite und Leserate liegen unter denen eines Pistolengriff-Geräts, für einen Laden mit einigen tausend Teilen reicht das aber. Wer ohnehin eine mobile Kasse oder eine Kundenberatungs-App auf demselben Gerät betreibt, spart sich ein zweites Gerät.

Fixed Reader

Ein stationäres Gerät im Schaltschrankformat mit zwei bis acht Antennenports, Ethernet und meist einer eigenen Logik zur Filterung. Der Fixed Reader ist die Basis für alle festen Anwendungen: Gate, Tunnel, Regal, Förderstrecke. Ohne passende externe Antennen ist er nutzlos — die Antennenwahl entscheidet über das Ergebnis.

RFID-Gate am Ausgang

Zwei Antennenpaneele links und rechts der Durchgangsbreite, dahinter ein Fixed Reader. Ein Gate erfasst jeden Tag, der hindurchgetragen wird, und meldet ihn an die Software. Typische Anwendungen sind Warenausgang, Wareneingang an der Rampe und Diebstahlerkennung. Ein Gate ist keine Kasse: Es weiß nicht, ob ein Teil bezahlt wurde, sondern nur, dass es die Linie passiert hat. Die Unterscheidung macht die Software.

Tunnel- und Tischleser

Ein Tunnelleser ist eine abgeschirmte Röhre auf einem Förderband; ein Tischleser ist eine abgeschirmte Mulde oder Platte. Beide begrenzen das Lesefeld bewusst, damit nur die Ware im Gerät erfasst wird und nicht der Karton daneben. Genau diese Abgrenzung ist ihr Wert: Sie liefern eindeutige Ergebnisse, wo ein offenes Feld ständig Nachbarn mitliest. Im Handel sind sie sinnvoll für Wareneingangskontrolle ganzer Kartons und für das Kodieren neuer Etiketten.

Smart Shelf

Antennen werden in Böden oder Rückwände von Regalen eingebaut und zyklisch abgefragt. Das Ergebnis ist ein Bestand nahezu in Echtzeit, ohne dass jemand etwas tut. Der Preis dafür ist hoch: Antennen, Kabel und Reader pro Regalmeter, dazu ein Einbau, der die Ladeneinrichtung verändert. Für kleine Flächen steht der Aufwand in der Regel nicht im Verhältnis zum Nutzen. Sinnvoll wird Smart Shelf bei wenigen, sehr hochwertigen Artikeln.

Inventurroboter und Drohne

Ein fahrender Roboter mit UHF-Antennen fährt die Fläche nachts ab und zählt. Solche Systeme sind bei großen Filialisten im Einsatz und liefern tägliche Bestandsdaten ohne Personalzeit. Die Anschaffung liegt jedoch im fünf- bis sechsstelligen Bereich und setzt freie Fahrwege sowie eine gepflegte Ladeneinrichtung voraus. Für eine Boutique oder ein Sportfachgeschäft ist das kein Thema; erwähnenswert ist es, weil es zeigt, wohin sich stationäre Erfassung entwickelt.

Vergleich

Bauformen im Vergleich

Kurze Antwort

Für einen inhabergeführten Laden mit einer Verkaufsfläche ist ein mobiles Gerät die wirtschaftlichste Bauform: Anschaffung meist im vierstelligen Bereich, keine Installation, und ein Gerät deckt Inventur, Wareneingang, Suche und Auszeichnung ab. Gates, Tunnelleser und Smart Shelves rechnen sich erst bei mehreren Standorten oder bei Prozessen, die dauerhaft ohne Personal laufen sollen.

BauformEinsatzzweckPreisrahmen nettoInstallationEignung kleiner Laden
Sled am SmartphoneInventur, Suche, mobile Erfassung mit vorhandenem Telefon ca. 1.000–1.600 €keinegut, wenn ein Diensttelefon vorhanden ist
Kompaktes Android-TerminalInventur, Wareneingang, Auszeichnung, Kassenbeleg ca. 500–1.500 €keinesehr gut, günstigster Einstieg
Terminal mit Pistolengriffgroße Flächen, lange Zählgänge, Lager ca. 1.700–3.000 €keinegut, aber oft überdimensioniert
Fixed Reader (ohne Antennen)Basis für Gate, Tunnel, Regal, Förderstrecke ca. 800–2.500 €Montage, Verkabelung, Einmessennur mit konkretem Prozess
RFID-GateWarenausgang, Wareneingang, Diebstahlerkennung ca. 3.000–9.000 € je Durchgangbaulich, Strom, Netzwerkselten wirtschaftlich
Tunnel- oder TischleserKartonprüfung, Kodierung, eindeutige Einzellesung ca. 2.000–12.000 €Stellfläche, Strom, Netzwerknur bei hohem Wareneingang
Smart ShelfBestand nahezu in Echtzeit im Regal ab ca. 1.500 € je RegalmeterEinbau in die Einrichtungnur für wenige Hochpreisartikel
Inventurroboterautomatische Zählung großer Flächen fünf- bis sechsstelligFahrwege, Ladestation, Integrationnicht relevant

Preisrahmen sind Orientierungswerte für den deutschen Markt, netto, ohne Software, Etiketten und Dienstleistung. Projektpreise liegen je nach Menge und Händler darunter.

Preise

Konkrete Geräte und Listenpreise

Kurze Antwort

Mobile UHF-Geräte für den Handel bewegen sich in Deutschland zwischen rund 500 und 3.000 Euro netto. Der Einstieg beginnt beim Urovo DT630 mit etwa 497 Euro, die Mitte bilden Newland MT93 mit rund 835 Euro und Zebra EM45 mit rund 843 Euro, das obere Ende markieren Zebra TC53e mit rund 1.770 Euro und Zebra MC3330XR mit rund 2.986 Euro. Alle Werte sind Nettolistenpreise Stand 2026 nach Fachhändlerangaben.

GerätBauformListenpreis nettoTypischer Einsatz
Urovo DT630kompaktes Android-Terminalca. 497 € Einstieg, kleine Flächen, Wareneingang
Newland MT93kompaktes Android-Terminalca. 835 € Inventur und Auszeichnung im Laden
Zebra EM45Enterprise-Mobilgerätca. 843 € Flächenpersonal, Beratung plus Erfassung
Zebra TC22Rrobustes Touch-Terminalca. 1.389 € täglicher Einsatz im Handel
Zebra RFD40Sled zum Aufsteckenca. 1.232 € Erweiterung eines vorhandenen Terminals
Zebra TC53erobustes Touch-Terminal, gehobene Klasseca. 1.770 € Filialbetrieb, hohe Nutzungsdauer
Zebra MC3330XRTerminal mit Pistolengriffca. 2.986 € große Flächen, Lager, lange Zählgänge

Nettolistenpreise Stand 2026, Quelle Fachhändler. Preise ohne Zubehör wie Ladeschale, Ersatzakku, Handschlaufe und ohne Softwarelizenz. Im Projektgeschäft werden Listenpreise regelmäßig unterschritten; bei Sleds kommt das Trägergerät hinzu.

Was zum Gerätepreis noch dazukommt

  • Ladeschale und Ersatzakku: je nach Gerät rund 100 bis 300 Euro.
  • Software: ohne Anwendung zählt der Reader Nummern, aber keine Artikel.
  • Etiketten: passive UHF-Etiketten liegen in Kleinmengen bei rund 12 bis 15 Cent.
  • Etikettendruck: ein RFID-Drucker für die Auszeichnung im Laden.
  • Einrichtung: Anbindung an das Kassensystem, Stammdatenabgleich, Einweisung.

In der Praxis ist das Lesegerät selten der größte Posten. Bei einem Laden mit 4.000 Teilen kosten die Etiketten im ersten Jahr rund 500 bis 600 Euro, das Gerät einmalig einen vierstelligen Betrag, und die laufende Software liegt bei Anbietern wie HANGCOUNT im zweistelligen Bereich pro Monat. Wer nur die Hardwarepreise vergleicht, vergleicht den kleineren Teil der Rechnung.

Leistung

Leseleistung: Tags pro Sekunde, Teile pro Minute

Kurze Antwort

UHF-Reader erreichen je nach Gerät und Umgebung eine Leserate in der Größenordnung mehrerer hundert Tags pro Sekunde. Im Modehandel ist jedoch nicht die Funkschnittstelle der Engpass, sondern die Gehgeschwindigkeit: Praxisnah werden beim Abgehen der Fläche rund 700 Teile pro Minute erfasst. Eine Inventur mit 4.000 Teilen dauert damit knapp sechs Minuten reine Zählzeit.

Warum Laborwerte und Ladenwerte auseinanderliegen

Datenblätter nennen Spitzenwerte, gemessen mit gleichmäßig ausgelegten Tags in freier Luft, ohne Metall, ohne Menschen, mit optimalem Winkel. Im Laden liegen Teile dicht gestapelt, Tags verdecken sich gegenseitig, Kleiderbügel und Regale aus Stahl verzerren das Feld, und Ware mit hohem Wasseranteil schluckt Energie. Realistisch sind deshalb Angaben, die den kompletten Gang über eine Fläche einschließen, nicht die reine Funkleistung.

Was die Leserate in der Praxis bestimmt

  • Antennenausrichtung. Ein Tag, dessen Dipol quer zur Polarisation steht, wird schlecht oder gar nicht gelesen. Zirkular polarisierte Antennen mildern das, kosten aber Reichweite.
  • Tagdichte. Je mehr Tags gleichzeitig im Feld sind, desto mehr Kollisionsrunden braucht das Gen2-Verfahren. Der Durchsatz sinkt nicht linear, aber er sinkt.
  • Umgebung. Metallregale reflektieren, Spiegel und Glasfassaden ebenso. Es entstehen Zonen mit sehr guter und Zonen mit schlechter Feldstärke.
  • Sendeleistung und Empfindlichkeit. Beides ist bei europäischen Geräten gedeckelt; Unterschiede entstehen vor allem im Empfänger.
  • Gehgeschwindigkeit. Wer zu schnell läuft, lässt dem Reader zu wenige Inventurrunden pro Regalmeter. Zwei ruhige Durchgänge sind besser als ein hastiger.

Rechnen mit realistischen Zahlen

Ein Beispiel: Ein Laden führt 4.000 Teile auf 120 Quadratmetern. Bei rund 700 Teilen pro Minute liegt die reine Erfassung bei knapp sechs Minuten. Mit zweitem Durchgang, Lager, Schaufenster, Anprobe und der Klärung von Abweichungen landet man in der Praxis bei einer bis zwei Stunden für die komplette Inventur. Zum Vergleich: Dieselbe Fläche per Barcode kostet zwei Personen einen Tag.

Regulierung

Sendeleistung und Recht in Europa

Kurze Antwort

Für UHF-RFID gilt in Europa die harmonisierte Norm ETSI EN 302 208. Sie weist das Band 865 bis 868 MHz zu und begrenzt die abgestrahlte Leistung auf maximal 2 Watt ERP. Geräte, die in der EU in Verkehr gebracht werden, sind entsprechend konfiguriert und tragen eine CE-Kennzeichnung nach der Funkanlagenrichtlinie 2014/53/EU. Eine Genehmigung oder Anmeldung braucht der Betreiber im Laden nicht.

Was der Grenzwert praktisch bedeutet

2 Watt ERP begrenzen die Reichweite passiver Tags nach oben. Deshalb liegen realistische Lesedistanzen mit Handelsetiketten in Europa bei etwa einem bis zwölf Metern und nicht darüber. In den USA sind nach FCC Part 15 vier Watt EIRP zulässig, was in etwa 2,4 Watt ERP entspricht. Reichweitenangaben aus amerikanischen Datenblättern und Videos lassen sich deshalb nicht ungeprüft auf einen deutschen Laden übertragen.

Weltband-Geräte richtig einstellen

Viele Geräte sind als Weltbandausführung für 860 bis 960 MHz gebaut und werden per Regionsprofil auf das jeweilige Länderrecht gestellt. Beim Kauf im Ausland oder über Marktplätze ist deshalb zu prüfen, ob das Gerät auf die EU-Region eingestellt ist und ob eine EU-Konformitätserklärung vorliegt. Ein Gerät, das auf dem US-Band sendet, ist in Deutschland nicht zulässig.

Weitere Regelwerke

  • ISO/IEC 18000-63 beziehungsweise EPC Gen2 v2: das Luftschnittstellenprotokoll.
  • Richtlinie 2014/53/EU (RED): Marktzugang für Funkanlagen, CE-Kennzeichnung.
  • DSGVO: relevant erst, wenn Tagnummern mit Personendaten verknüpft werden.
  • Arbeitsschutz: die zulässigen Grenzwerte für elektromagnetische Felder werden von einem 2-Watt-Reader im normalen Handelsbetrieb deutlich unterschritten.
Auswahl

Auswahlkriterien für kleine Läden

Kurze Antwort

In einem kleinen Laden entscheiden fünf Kriterien über die Gerätewahl: Akkulaufzeit für einen kompletten Zählgang, Gewicht unter etwa 500 Gramm, Robustheit mit Sturzhöhe und IP-Schutz, Bedienbarkeit durch Aushilfen ohne Schulung und eine belastbare Software-Anbindung an das Kassensystem. Reine Reichweitenangaben sind das schwächste Auswahlkriterium, weil sie in der Praxis von Tag und Umgebung dominiert werden.

Akkulaufzeit

Entscheidend ist, ob ein kompletter Zählgang ohne Ladepause durchläuft. Je nach Gerät und Sendeleistung liegen Laufzeiten bei durchgehendem Lesen zwischen etwa vier und zehn Stunden. Wichtiger als die Zahl im Datenblatt ist die Frage, ob sich der Akku wechseln lässt. Ein Wechselakku kostet wenig und nimmt dem Inventurtag jedes Risiko.

Gewicht

Wer zwei Stunden mit ausgestrecktem Arm durch die Fläche geht, merkt jedes Gramm. Kompakte Terminals liegen bei rund 200 bis 350 Gramm, Pistolengriff-Geräte bei 500 bis 800 Gramm. Der Griff verlagert die Last allerdings günstiger, sodass ein schwereres Gerät mit Griff auf Dauer angenehmer sein kann als ein leichteres ohne. Ausprobieren schlägt Datenblatt.

Robustheit

Zwei Werte zählen: die Sturzhöhe in Metern auf Beton und die IP-Schutzart gegen Staub und Wasser. Handelsgeräte sind üblicherweise für Fallhöhen um anderthalb Meter ausgelegt und nach IP54 bis IP65 geschützt. Für einen Modeladen reicht das reichlich; ein Consumer-Smartphone im Sled tut es nicht, wenn es ohne Hülle auf Fliesen fällt.

Bedienbarkeit durch Aushilfen

Das unterschätzte Kriterium. Ein Gerät, das nur die Inhaberin bedienen kann, wird zum Engpass. Gut ist, was mit drei Bedienschritten zählt: einschalten, Zählung starten, Abzug halten. Alles, was eine Menüschulung braucht, kostet an jedem Inventurtag Zeit. Sinnvoll sind große Schaltflächen, ein klarer Fortschrittsbalken und eine Fehlerliste in Klartext statt in Codes.

Software-Anbindung

Der Reader liefert Nummern. Ob daraus ein verwertbarer Bestand wird, entscheidet die Software. Zu prüfen sind: Import der Artikelstammdaten aus dem Kassensystem, das Verheiraten von Barcode und RFID-Nummer beim Auszeichnen, der Abgleich Soll gegen Ist, der Export als CSV oder Excel zurück ins Kassensystem und die Frage, ob das Gerät offline weiterzählt, wenn das WLAN im Lager abreißt. Ein günstiger Reader mit schlechter Anbindung ist teurer als ein teurer mit guter.

Faustregel für die Auswahl: Nehmen Sie das günstigste Gerät, das Ihre größte Fläche in einem Akkuladezyklus schafft, das eine Aushilfe nach fünf Minuten Erklärung bedienen kann und für das Ihre Software freigegeben ist. Alles darüber ist Reserve, die Sie im Laden nicht abrufen.

Entscheidung

Handheld oder fest installiert

Kurze Antwort

Ein Handheld lohnt sich, wenn Bestand periodisch erfasst wird und Personal ohnehin auf der Fläche ist. Fest installierte Reader lohnen sich, wenn ein Vorgang dauerhaft, lückenlos und ohne Personal erfasst werden muss — etwa jeder Warenausgang. Für einen Laden mit einer zusammenhängenden Verkaufsfläche ist ein Handheld fast immer die richtige Wahl, weil ein Gerät alle Aufgaben abdeckt und keine Installation benötigt.

Wann ein Handheld reicht

  • Eine Verkaufsfläche, ein Lager, ein Team.
  • Inventur ein- bis viermal im Jahr, dazu regelmäßige Teilzählungen.
  • Wareneingang wird ohnehin von Hand geöffnet und geprüft.
  • Neue Kollektionen werden im Laden ausgezeichnet.
  • Ein Teil im Bestand soll schnell gefunden werden — die Suchfunktion mit Signalton ist eine Handheld-Disziplin, die keine Festinstallation ersetzt.

Wann sich eine Festinstallation rechnet

  • Warenausgang muss automatisch und lückenlos dokumentiert werden, etwa bei Versand aus dem Laden.
  • Diebstahlerkennung soll ohne zusätzliches EAS-System laufen.
  • Mehrere Standorte tauschen Ware und brauchen automatische Ein- und Ausbuchung.
  • Der Wareneingang umfasst so viele Kartons, dass ein Tunnelleser Personalzeit spürbar spart.

Der typische Fehler

Kleine Händler lassen sich gelegentlich ein Gate anbieten, weil es nach Lückenlosigkeit klingt. Ein Gate liefert aber nur ein Ereignis an einer Linie, kein Bestandsbild. Wer keinen sauberen Ausgangsbestand hat, gewinnt daraus wenig. Die Reihenfolge ist umgekehrt: erst mit einem Handheld einen gepflegten Bestand aufbauen, dann prüfen, ob ein fester Reader noch etwas hinzufügt.

Kombination als Ausbaustufe

In der Praxis ergibt sich oft ein Zweischritt: Ein Handheld erledigt Inventur, Wareneingang, Auszeichnung und Suche; später kommt ein einzelner Fixed Reader mit zwei Antennen an der Lagertür dazu, sobald ein Webshop mit Live-Beständen bespielt wird und jede Entnahme sofort sichtbar sein soll. Diese Reihenfolge hält die Anfangsinvestition klein und liefert trotzdem einen klaren Ausbaupfad.

Fragen

Häufige Fragen zu RFID-Readern

Was ist ein RFID-Reader?

Ein RFID-Reader ist ein Funkgerät, das über eine Antenne ein elektromagnetisches Feld aufbaut, passive Tags in diesem Feld mit Energie versorgt und deren Antwort auswertet. Der Reader sendet ein Trägersignal, der Tag moduliert dieses Signal zurück, und der Reader liest daraus die gespeicherte Nummer. Ohne Reader ist ein RFID-Tag ein totes Stück Folie.

Was kostet ein RFID-Handscanner?

Mobile UHF-Lesegeräte für den Handel liegen in Deutschland je nach Ausführung zwischen rund 500 und 3.000 Euro netto. Einfache Android-Terminals mit integriertem UHF-Modul starten bei etwa 500 Euro, ein Sled zum Aufstecken auf ein Smartphone liegt bei rund 1.200 Euro, robuste Terminals mit Pistolengriff erreichen knapp 3.000 Euro. Angaben sind Listenpreise Stand 2026 und werden im Projektgeschäft regelmäßig unterschritten.

Wie viele Tags liest ein RFID-Reader pro Sekunde?

Je nach Gerät, Antenne und Umgebung liest ein UHF-Reader in der Größenordnung mehrerer hundert Tags pro Sekunde. Im Modehandel sind beim Abgehen der Fläche rund 700 Teile pro Minute ein realistischer Wert, weil die Gehgeschwindigkeit und nicht die Funkschnittstelle den Takt vorgibt. Herstellerangaben aus dem Labor liegen darüber und lassen sich nicht direkt auf einen vollen Warenständer übertragen.

Wie viel Sendeleistung darf ein RFID-Reader in Europa haben?

In der Europäischen Union gilt für UHF-RFID die Norm ETSI EN 302 208. Sie gibt das Band 865 bis 868 MHz frei und begrenzt die abgestrahlte Leistung auf maximal 2 Watt ERP. Geräte, die im europäischen Handel verkauft werden, halten diesen Wert per Konfiguration ein. In den USA sind nach FCC Part 15 vier Watt EIRP zulässig, weshalb amerikanische Reichweitenangaben höher ausfallen.

Handheld oder fest installiertes RFID-Gate?

Für einen Laden mit einer zusammenhängenden Verkaufsfläche ist ein Handheld fast immer die richtige Wahl: Ein Gerät deckt Inventur, Wareneingang, Suche und Auszeichnung ab und kostet einen Bruchteil einer Festinstallation. Ein RFID-Gate am Ausgang oder ein Tunnelleser lohnt sich erst, wenn ein Vorgang dauerhaft und ohne Personal erfasst werden muss, etwa Warenausgang oder Diebstahlerkennung.

Braucht ein RFID-Reader eine eigene Antenne?

Mobile Geräte haben die Antenne fest eingebaut. Fixed Reader werden dagegen mit externen Antennen betrieben, die über Koaxialkabel angeschlossen werden; typisch sind zwei bis acht Antennenports pro Reader. Die Antenne bestimmt Öffnungswinkel, Polarisation und damit die Form des Lesefelds, und sie beeinflusst das Ergebnis stärker als die letzten Dezibel Sendeleistung.

Funktioniert ein RFID-Reader auch mit Barcodes?

Viele mobile RFID-Geräte haben zusätzlich einen 1D- und 2D-Imager. Das ist im Handel wichtig, weil das Verheiraten von Barcode und RFID-Nummer beim Auszeichnen genau diese Kombination braucht: Der Imager liest den EAN vom vorhandenen Etikett, der RFID-Teil schreibt oder liest die zugehörige Seriennummer. Geräte ohne Imager sind für den Wareneingang im Modehandel nur eingeschränkt brauchbar.

Wie lange hält der Akku eines RFID-Handhelds?

Bei durchgehendem Lesen liegt die Laufzeit je nach Gerät und Sendeleistung zwischen etwa vier und zehn Stunden. Für eine Inventur in einem kleinen Laden reicht das in aller Regel für einen kompletten Durchgang. Sinnvoll ist trotzdem ein Wechselakku oder eine Ladeschale, weil das Gerät sonst am Zähltag an der Steckdose hängt.

Reader, Etiketten und Software aus einer Hand?

HANGCOUNT liefert RFID-Inventur für Modeläden, Boutiquen und Sportfachgeschäfte: Software ab 99 Euro im Monat pro Standort, dazu einmalig 2.900 Euro für RFID-Drucker und Handheld. Etiketten kommen nach Verbrauch dazu. Alle Preise netto.

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