Zebra EM45 RFID: das Diensttelefon, das nebenbei UHF-Tags liest
Der EM45 sieht aus wie ein Smartphone und ist auch eines – nur mit Unternehmensverwaltung, IP68 und fünf Jahren Softwarepflege. Die entscheidende Information steht nicht im Prospekt: Nur die eigene Ausführung „EM45 RFID“ liest UHF-Etiketten, die Basis-EM45 kann ausschließlich NFC. Und selbst die RFID-Version liest nur bis 1,2 Meter mit 20 Tags pro Sekunde. Das ist ein Gerät für Einzelartikel und Stichproben, nicht für die Jahresinventur – und diese Seite rechnet Ihnen vor, warum.
- Was der EM45 RFID ist – und was die Basis-EM45 nicht kann
- RFID-Leistung: 1,2 Meter, 20 Tags pro Sekunde
- Technische Daten im Überblick
- Praxis im Modeladen: 4.000 Teile durchgerechnet
- Wofür dieses Gerät nicht taugt
- Preis, Stand und was sonst noch anfällt
- Zubehör, Laden und Software
- Alternativen im Vergleich
- EU-Funkzulassung und was Sie prüfen müssen
- Häufige Fragen
- Quellen
Was der EM45 RFID ist – und was die Basis-EM45 nicht kann
Der Zebra EM45 RFID ist ein Diensttelefon im Smartphone-Format, in dem zusätzlich ein UHF-Lesemodul steckt. Entscheidend ist die Modellwahl: Nur die eigene Ausführung „EM45 RFID“ liest RFID-Etiketten an Kleidung. Die Basis-EM45 hat ausschließlich NFC und damit kein UHF. Wer das verwechselt, kauft ein sehr gutes Telefon, das genau die eine Funktion nicht hat, wegen der es gekauft wurde.
Zebra führt zwei Geräte unter fast demselben Namen. Das eine heißt offiziell „Zebra EM45 Enterprise Mobile“, das andere „EM45 RFID Enterprise Mobile“. Von außen unterscheiden sie sich kaum. Im Datenblatt der Basisversion taucht unter dem Stichwort RFID nichts auf – dort steht nur NFC mit ISO 14443 Typ A und B, FeliCa und ISO 15693. Das ist die Technik für Zutrittskarten, Mitarbeiterausweise und kontaktloses Bezahlen. Sie arbeitet auf 13,56 MHz und liest über wenige Zentimeter.
UHF-RFID ist etwas anderes. Es arbeitet in Europa auf 865 bis 868 MHz, liest über Entfernung und erfasst viele Etiketten hintereinander. Das ist die Technik, die in Modeetiketten steckt und die eine Inventur überhaupt erst schnell macht. Wenn Sie also einen EM45 bestellen, weil Sie RFID-Etiketten an Kleidung lesen wollen, und die Bestellung lautet auf die Basisversion, dann haben Sie ein sehr gutes Diensttelefon gekauft, das genau diese eine Aufgabe nicht erfüllt. Der Unterschied steckt in der Artikelnummer, nicht im Gehäuse.
Kurz gesagt: „EM45“ und „EM45 RFID“ sind zwei verschiedene Produkte. Nur das zweite liest UHF-Etiketten. Prüfen Sie die vollständige SKU im Angebot und lassen Sie sich schriftlich bestätigen, dass das UHF-Modul verbaut ist. Das ist bei diesem Modell der häufigste Fehlkauf, und er fällt erst auf, wenn das Gerät ausgepackt vor Ihnen liegt.
Die Positionierung von Zebra ist dabei klar und ehrlich: Der EM45 ist ein Enterprise-Smartphone für Mitarbeiter, die vor allem ein Telefon brauchen und nebenbei Daten erfassen. Er ist ausdrücklich kein robustes Rugged-Handheld wie der TC22R und kein Sled-System wie der RFD40. Wer ihn an dem misst, wofür er gebaut wurde, bekommt ein gutes Gerät. Wer ihn zum Inventurgerät erklärt, bekommt Frust.
Für wen lohnt sich das? Für Filialleitungen und Verkaufspersonal, die ohnehin ein Diensttelefon bekommen sollen. Statt Telefon plus separatem Handheld trägt die Person ein Gerät. Damit lassen sich Preise prüfen, ein einzelnes Teil im Laden suchen, eine Lieferung stichprobenartig gegenlesen und Bestandsfragen am Kunden beantworten. Die Vollinventur macht dann ein anderes Gerät, das im Schrank liegt und zweimal im Jahr herauskommt.
- Bauform
- Enterprise-Smartphone, kein Rugged-Handheld, kein Pistolengriff
- UHF-RFID
- nur in der Ausführung „EM45 RFID“ – die Basis-EM45 hat ausschließlich NFC
- Lesereichweite
- bis 1,2 m (Atlas RFID)
- Lesegeschwindigkeit
- 20 Tags/Sekunde (Atlas RFID)
- Display
- 6,7" FHD+ (2400 × 1080), 120 Hz
- Rechner und Speicher
- Qualcomm 5430 Octa-core 2,2 GHz · 8 GB DDR5 · 128 GB UFS 3.1
- Barcode
- nur über die Kamera, keine dedizierte Scan-Engine, kein Hardware-Trigger
- Akku
- 4.750 mAh (Zebra-Spec) bzw. 5.000 mAh bei der RFID-Version (Atlas) – Quellen weichen ab
- Robustheit
- IP68 und IP65, Sturz 1,5 m auf Fliese über Beton, 0 °C bis +50 °C
- Preis
- 1.138 USD (Atlas RFID, Stand 08/2026) – kein deutscher Listenpreis öffentlich
1,2 Meter Reichweite, 20 Tags pro Sekunde
Belegt sind bis zu 1,2 Meter Lesereichweite und 20 Tags pro Sekunde, Quelle Atlas RFID. Das ist Nahfelderfassung: Sie halten das Telefon an das Warenstück, statt einen Ständer aus dem Gang abzutasten. Das Frequenzband ist nur für FCC 902 bis 928 MHz belegt. Ob eine EU-Ausführung mit 865 bis 868 MHz existiert, mit welcher Sendeleistung sie arbeitet und welche EPC-Protokolle sie unterstützt, konnten wir nicht verifizieren.
Zwei Zahlen beschreiben jedes UHF-Lesegerät: die Reichweite und die Leserate. Die Leserate sagt, wie viele Etiketten pro Sekunde beantwortet werden. Die Reichweite sagt, wie weit Sie vom Etikett entfernt sein dürfen. Beim EM45 RFID sind das 20 Tags pro Sekunde und 1,2 Meter. Zum Vergleich liest der Zebra RFD40 über 6 Meter und schafft mehr als 1.300 Tags pro Sekunde.
Interessant ist, welche der beiden Zahlen im Laden tatsächlich weh tut. Die Leserate ist es nicht. 4.000 Teile geteilt durch 20 Tags pro Sekunde sind 200 Sekunden. Das ist eine Zahl, mit der man leben kann. Der Knackpunkt ist die Reichweite. Bei 1,2 Metern ist der Lesebereich ungefähr eine Armlänge groß. Sie tasten damit keinen Kleiderständer aus dem Gang ab, sondern Sie gehen an den Ständer heran, führen das Telefon an der Ware entlang und wiederholen das für jedes Warenträgerelement. Bei gestapelten Pullovern müssen Sie das Telefon über und seitlich an den Stapel führen, weil die Etiketten in der Mitte des Stapels durch die Textilschichten und durch die Nachbaretiketten abgeschattet werden.
Dazu kommt eine Einschränkung, die aus der Bauform folgt. Die Antenne sitzt im Telefongehäuse, hat also wenige Zentimeter Fläche und teilt sich den Bauraum mit Mobilfunk, WLAN und NFC. Ein Sled kann eine größere, besser abgestimmte Antenne verbauen und mehr Leistung in einen gerichteten Strahl legen. Das ist kein Konstruktionsfehler des EM45, sondern die Konsequenz aus der Entscheidung, dass er in die Hosentasche passen soll. Physik lässt sich nicht mit Firmware umgehen.
Was belegt ist und was nicht
Wir müssen an dieser Stelle eine Lücke offenlegen, statt sie zu überspielen. Die RFID-Kennwerte des EM45 RFID stammen aus der Händlerquelle Atlas RFID. Das offizielle Zebra-Spec-Sheet zur RFID-Ausführung beantwortet automatisierte Abrufe mit einer Fehlermeldung und war am 26.08.2026 auf diesem Weg nicht prüfbar. Belegt sind damit Reichweite, Leserate und das FCC-Band. Nicht belegt sind das europäische Band 865 bis 868 MHz, die Sendeleistung in dBm und die unterstützten EPC-Protokolle.
Das ist keine Formalie. Ohne die EU-Bandkonfiguration ist nicht geklärt, ob das Gerät in Deutschland überhaupt betrieben werden darf. Ohne die Protokollangabe ist nicht geklärt, ob es die Etiketten liest, die in Ihrer Ware stecken – in der Praxis sind das fast immer Chips nach EPC Class 1 Gen 2, etwa Impinj M700 oder NXP UCODE. Mehr dazu auf unserer Seite zu RFID-Etiketten und Chips. Beides lässt sich mit einer Anfrage beim Distributor klären. Es sollte vor der Bestellung geklärt sein, nicht danach.
| Kennwert | Angabe | Quelle und Belegstatus |
|---|---|---|
| Lesereichweite | bis 1,2 m | Atlas RFID, Stand 08/2026 – belegt |
| Lesegeschwindigkeit | 20 Tags/s | Atlas RFID, Stand 08/2026 – belegt |
| Frequenzband USA | 902–928 MHz | Atlas RFID (FCC) – belegt |
| Frequenzband EU | 865–868 MHz | nicht verifizierbar – Zebra-Spec-Sheet zur RFID-Version nicht abrufbar |
| Sendeleistung | – | nicht verifizierbar – in keiner öffentlichen Quelle angegeben |
| EPC-Protokolle | – | nicht verifizierbar – für diese Variante nicht veröffentlicht |
| NFC (beide Varianten) | 13,56 MHz | Zebra-Spec-Sheet EM45: ISO 14443 A/B, FeliCa, ISO 15693, Card Emulation – belegt |
| UHF in der Basis-EM45 | nicht vorhanden | Zebra-Spec-Sheet EM45 führt kein UHF-RFID – belegt |
Nominale Reichweiten sind Laborwerte im Freifeld mit gut lesbaren Referenzetiketten. Im Laden, zwischen Textil, Metallständern, Spiegeln und gestapelter Ware, liegt der praktisch erreichbare Wert regelmäßig darunter. Wer im Verkaufsgespräch mit dem Laborwert argumentiert, produziert Enttäuschung beim Kunden.
Technische Daten im Überblick
Die folgenden Werte stammen aus dem offiziellen Zebra-Spec-Sheet zur EM45-Serie, sofern nicht anders vermerkt. Wo sich Angaben zwischen Zebra und der Händlerquelle zur RFID-Version unterscheiden, stehen beide Werte in der Tabelle.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Bauform | Enterprise-Smartphone, kein Rugged-Handheld, kein Pistolengriff, kein Hardware-Trigger |
| Display | 6,7" Full HD+ (2400 × 1080), LED-Backlight, dynamische Bildwiederholrate bis 120 Hz, Multi-Mode-Touch für Bedienung mit Handschuh |
| Prozessor | Qualcomm 5430, Octa-core, 2,2 GHz, mit eigener NPU für KI-Funktionen |
| Speicher | 8 GB DDR5 RAM, 128 GB UFS 3.1 Flash, microSD bis 2 TB |
| Betriebssystem | Android 14 im Auslieferungszustand, A16 als finale unterstützte Version laut Zebras Android-Versionstabelle. Ein Support-Enddatum ist nicht veröffentlicht |
| Scan-Engine | keine – Barcodes werden ausschließlich über die Kamera mit Zebras Decoder-Bibliothek gelesen |
| Kamera | 50 MP hinten mit Autofokus, optischer Bildstabilisierung und f/1.9, Video 4K UHD mit 30 Bildern pro Sekunde · 8 MP vorne mit f/2.0 |
| NFC | ISO 14443 Typ A und B, FeliCa, ISO 15693, Card Emulation über den Host, Unterstützung für kontaktloses Bezahlen |
| UHF-RFID | nur in der Ausführung EM45 RFID: bis 1,2 m, 20 Tags/s, FCC 902–928 MHz (Atlas RFID). EU-Band, Sendeleistung und Protokolle nicht verifizierbar |
| Funk | Wi-Fi 6E (802.11ax, Tri-Band), Bluetooth 5.3, 5G NR Sub-6 und Gigabit LTE-A, Dual SIM mit Nano-SIM und eSIM, Dual Standby |
| Akku | 4.750 mAh / 18,43 Wh laut Zebra-Spec-Sheet, 5.000 mAh / 19,4 Wh laut Atlas RFID für die RFID-Version. Bis zu 25 Stunden Nutzungsdauer, 0 auf 50 Prozent in 30 Minuten. Kein Hot-Swap |
| Maße | 170,65 × 80,54 × 10,7 mm |
| Gewicht | 243 g mit Akku laut Zebra-Spec-Sheet, in Händlerangaben bis 250 g für die RFID-Version |
| Schutzart | IP68 und IP65 mit eingesetztem Akku nach den einschlägigen IEC-Dichtheitsspezifikationen |
| Sturz | 1,5 m auf Fliese über Beton über den Temperaturbereich, dazu mehrfach 1,2 m Tumble, jeweils nach MIL-STD-810H |
| Temperatur | Betrieb 0 °C bis +50 °C |
| Anschlüsse | USB 3.1 Typ C an der Unterseite, SuperSpeed, Host- und Client-Betrieb, OTG mit Host-Charging |
Alle Angaben sind Herstellerangaben aus den genannten Datenblättern beziehungsweise Händlerangaben, wo das ausdrücklich vermerkt ist. Konfigurationen unterscheiden sich je SKU und Region. Verbindlich ist ausschließlich das Datenblatt zur konkret angebotenen Artikelnummer.
Praxis im Modeladen: 4.000 Teile durchgerechnet
Rein rechnerisch sind 4.000 Teile bei 20 Tags pro Sekunde in 200 Sekunden gelesen, also in gut drei Minuten. Diese Zahl ist ehrlich und trotzdem irreführend. Der Aufwand liegt nicht im Lesen, sondern darin, sich mit 1,2 Metern Reichweite an jedes einzelne Teil heranzuarbeiten – auch an obere Regalböden, gestapelte Ware und die hinteren Reihen im Lager.
Rechnen wir das für einen typischen Laden durch. Angenommen 120 Quadratmeter Verkaufsfläche plus kleines Lager, rund 4.000 Teile im Bestand, verteilt auf etwa 50 Warenträger: Kleiderständer, Rundständer, Wandschienen, Regalböden mit gestapelter Ware, zwei Tische, Schaufenster und Lagerregal. Eine Person macht die Inventur. Alle Teile sind getaggt und im System verheiratet.
Schritt 1: die reine Lesezeit
4.000 Etiketten geteilt durch 20 Tags pro Sekunde ergeben 200 Sekunden. Das sind 3 Minuten und 20 Sekunden. Diese Zahl ist korrekt und sie ist der Grund, warum Datenblätter so freundlich aussehen. Sie beschreibt aber nur den Fall, dass alle 4.000 Etiketten nacheinander im Lesefeld liegen. Genau das ist im Laden nie der Fall.
Schritt 2: der Laufweg
Bei 1,2 Metern Reichweite müssen Sie mit dem Gerät an jeden Warenträger heran und ihn abfahren. Ein Rundständer mit 120 Teilen wird nicht aus dem Gang erfasst, sondern einmal umrundet, in etwa einem Meter Abstand, langsam. Rechnen wir konservativ mit zwei bis drei Minuten pro Warenträger, inklusive Hingehen, Abfahren, Kontrollblick auf die Zählung und Nachlesen der Stellen, an denen die Trefferzahl nicht plausibel ist. Bei 50 Warenträgern sind das 100 bis 150 Minuten, also knapp zwei bis zweieinhalb Stunden.
Schritt 3: die Stellen, die länger dauern
Dazu kommen die Bereiche, an denen 1,2 Meter nicht reichen. Der oberste Regalboden liegt bei vielen Ladenbauten auf 2,10 Metern – entweder Sie steigen auf eine Tritthilfe oder Sie strecken sich, und beides kostet Zeit. Gestapelte Ware muss angehoben oder auseinandergezogen werden, weil die Etiketten in der Mitte des Stapels von den umliegenden abgeschattet werden. Das Schaufenster ist von außen nicht erreichbar. Das Lagerregal ist tief, und die hintere Reihe liegt weiter als 1,2 Meter vom Gang entfernt. Realistisch sind das noch einmal 45 bis 90 Minuten.
Das Ergebnis
Nach unserer Hochrechnung landen Sie für 4.000 Teile bei etwa drei bis fünf Stunden mit einer Person. Reine Lesezeit daran: gut drei Minuten. Der Rest ist Laufen, Heranarbeiten, Umschichten und Nachprüfen. Diese Spanne ist ausdrücklich unsere eigene Hochrechnung auf Basis der belegten Reichweite und Leserate, keine Herstellerangabe und kein gemessener Wert aus einem konkreten Laden.
Kurz gesagt: Der Engpass ist die Reichweite, nicht die Leserate. Mit 1,2 Metern müssen Sie an jedes Teil heran. Mit 6 Metern tasten Sie einen ganzen Ständer aus dem Gang ab. Genau das ist im Ladenalltag der Unterschied zwischen zwei Stunden und einem halben Tag.
Zum Vergleich dieselbe Rechnung mit einem Sled: Der Zebra RFD40 liest über 6 Meter mit mehr als 1.300 Tags pro Sekunde. Die reine Lesezeit für 4.000 Teile beträgt dort rund drei Sekunden. Vor allem aber gehen Sie nicht an jeden Warenträger heran, sondern durch den Gang und schwenken das Gerät. Ein 120-Quadratmeter-Laden wird so in wenigen Durchgängen erfasst. Unsere Hochrechnung für diese Konstellation liegt bei ein bis zwei Stunden inklusive Nachlese, Differenzklärung und Protokoll – auch das ist eine eigene Hochrechnung und keine Herstellerangabe.
Die 1–2-Stunden-Inventur, mit der wir bei HANGCOUNT rechnen, ist mit dem EM45 RFID also nicht darstellbar. Das ist kein Vorwurf an das Gerät. Es wurde für etwas anderes gebaut. Wie eine RFID-Inventur organisatorisch abläuft, welche Vorbereitung sie braucht und woran Zählungen typischerweise scheitern, steht auf unserer Seite zur RFID-Inventur im Modehandel.
Wo das Gerät seine Zeit wirklich einspielt
Es gibt Aufgaben im Laden, bei denen 1,2 Meter nicht der Engpass, sondern der Vorteil sind. Bei der Suche nach einem einzelnen Teil wollen Sie gerade nicht, dass alles im Umkreis von sechs Metern antwortet. Sie wollen wissen, ob die graue Jacke in Größe 38 in diesem Ständer hängt. Ein Nahfeldleser mit enger Trefferzone führt Sie sauber heran, ohne dass die halbe Fläche mitrauscht.
Dasselbe gilt für die Warenannahme. Wenn Sie zehn Kartons bekommen und einen davon stichprobenartig gegen den Lieferschein prüfen, ist ein Gerät mit kurzer Reichweite praktisch, weil es nicht versehentlich die Nachbarkartons mitliest. Und bei der Preisauszeichnung einer neuen Kollektion halten Sie ohnehin jedes Teil in der Hand. Da zählt, dass Sie Telefon, Kamera, Etikettenprüfung und Bestandsabfrage in einem Gerät haben, und nicht, wie weit es funkt.
Wofür dieses Gerät nicht taugt
- Ein Gerät statt zwei: Telefon, Kamera, NFC und UHF in einem Gehäuse
- 6,7-Zoll-Display mit 120 Hz – Bestandslisten und Artikelbilder sind ohne Zoom lesbar
- 5G, Dual SIM und Wi-Fi 6E: funktioniert auch außerhalb des Laden-WLANs, etwa im Lager
- IP68 und IP65 sowie Sturz aus 1,5 m – für ein Telefon ungewöhnlich robust
- Android 14 mit A16 als finaler Version plus Zebra LifeGuard – längere Sicherheitspflege als bei Consumer-Handys
- 1,2 m Reichweite: Vollinventur nur, wenn Sie an jedes Teil einzeln herangehen
- 20 Tags/s statt 1.300 wie beim RFD40 oder TC22R
- Keine dedizierte Scan-Engine, Barcode nur über die Kamera, kein Hardware-Trigger
- Kein Hot-Swap: leerer Akku heißt Gerät aus, nicht Akku tauschen
- Mindesttemperatur 0 °C – unbeheiztes Lager im Januar ist außerhalb der Spezifikation
- EU-Band, Sendeleistung und EPC-Protokolle für die RFID-Version nicht öffentlich belegt
Beginnen wir mit dem Offensichtlichen. Für die Vollinventur ist der EM45 RFID die falsche Wahl, und zwar deutlich. Nicht weil er zu langsam liest, sondern weil 1,2 Meter Reichweite eine Arbeitsweise erzwingen, die mit der Fläche skaliert. Jeder zusätzliche Warenträger kostet volle zwei bis drei Minuten. Bei einem Sled kostet ein zusätzlicher Ständer ein paar Sekunden im Vorbeigehen. Das ist ein struktureller Unterschied, den keine Software ausgleicht.
Der zweite Punkt ist die fehlende Scan-Engine. Barcodes liest der EM45 über die Kamera. Das funktioniert, Zebras Decoder-Bibliothek ist gut, und für zwanzig Scans am Tag merkt man den Unterschied kaum. Bei zweihundert Scans merkt man ihn sehr wohl. Eine dedizierte Imager-Engine wie die SE4710 im Zebra TC22R zielt mit einem Fadenkreuz, arbeitet mit Global Shutter, liest bei schlechtem Licht und aus schrägen Winkeln und braucht keine Fokusfahrt. Dazu kommt: Der EM45 hat keinen Hardware-Trigger. Sie lösen jeden Scan über den Touchscreen aus. Wer schon einmal eine Wareneingangslieferung durchgescannt hat, weiß, was ein physischer Auslöser wert ist.
Der dritte Punkt ist der Akku. Es gibt keinen Hot-Swap. Beim TC22R und beim MEFERI ME87 ziehen Sie den leeren Akku heraus und stecken einen vollen hinein, während das Gerät weiterläuft. Beim EM45 ist leer gleich aus. Zebra gibt bis zu 25 Stunden Nutzungsdauer an und laden von null auf 50 Prozent in 30 Minuten – für einen Ladentag reicht das in aller Regel. Für einen langen Inventurtag mit dauerhaft aktivem Funkmodul und hellem Display ist es eine Abhängigkeit, die Sie einplanen müssen.
Der vierte Punkt betrifft die Temperatur. Der EM45 ist für 0 °C bis +50 °C spezifiziert. Der TC22R und der RFD40 gehen bis −10 °C, der TC201 und der ME87 bis −20 °C. Ein unbeheiztes Außenlager, ein Container im Hof oder eine Rampe im Januar liegen damit außerhalb der Spezifikation. Das heißt nicht, dass das Gerät sofort ausfällt. Es heißt, dass Sie sich bei einem Ausfall nicht auf die Spezifikation berufen können.
Der fünfte Punkt ist die Robustheit im Detail. IP68 und IP65 sind für ein Telefon sehr gut, und 1,5 Meter Sturz auf Fliese über Beton ebenfalls. Aber ein Smartphone ohne Gummiecken und ohne Handschlaufenöse fällt anders als ein Handheld mit Griff. In der Praxis bedeutet das: Schutzhülle und Trageschlaufe einplanen, sonst ist die Sturzfestigkeit ein Datenblattwert und keine Alltagseigenschaft.
Und schließlich der Punkt, der uns am meisten stört: Die RFID-Kennwerte der RFID-Ausführung sind öffentlich nur teilweise dokumentiert. Reichweite und Leserate stehen bei einem Händler, das offizielle Spec-Sheet war auf automatisiertem Weg nicht abrufbar, und die für Deutschland entscheidende Frage nach EU-Band und Sendeleistung ist damit unbeantwortet. Bei einem Gerät, das gut tausend Dollar kostet, sollte das nicht so sein. Es ist kein Ausschlussgrund – es ist eine Frage, die Sie vor der Bestellung stellen und schriftlich beantwortet bekommen müssen.
Preis, Stand und was sonst noch anfällt
Belegt ist ein Preis von 1.138 USD für den EM45 RFID bei Atlas RFID, Stand 08/2026. Ein deutscher oder europäischer Listenpreis ist nicht öffentlich. Wir rechnen den Dollarbetrag bewusst nicht in Euro um: Zoll, Distributionsmarge, Garantieumfang und die offene Frage der EU-Ausführung bestimmen den deutschen Preis, nicht der Wechselkurs.
| Variante | Preis | Quelle und Stand |
|---|---|---|
| EM45 RFID Enterprise Mobile (mit UHF) | 1.138 USD | Atlas RFID Store, Stand 08/2026 |
| EM45 Enterprise Mobile (Basis, nur NFC) | nicht belegt | kein öffentlicher Listenpreis in unseren Quellen |
| Deutscher oder EU-Listenpreis | nicht belegt | kein öffentlicher Preis eines EU-Distributors auffindbar (Stand 26.08.2026) |
Listenpreise sind Momentaufnahmen. Projektpreise liegen häufig darunter, Verfügbarkeit und Konfiguration sind beim Händler zu prüfen. Der US-Preis dient ausschließlich der Größenordnung und ist bewusst nicht in Euro umgerechnet: Zoll, Einfuhrumsatzsteuer, Distributionsmarge, Garantieumfang und die Frage, ob überhaupt eine EU-Ausführung angeboten wird, bestimmen den deutschen Preis stärker als der Wechselkurs. Verbindlich ist allein ein Angebot eines EU-Distributors zur konkreten Artikelnummer.
Was neben dem Gerät anfällt
Der Gerätepreis ist selten der ganze Preis. Rechnen Sie folgende Positionen mit ein, bevor Sie ein Budget freigeben:
- Etiketten. Jedes Teil braucht ein UHF-Etikett. Im Modehandel liegen Kleinmengen bei rund 12 bis 15 Cent pro Stück. Bei 4.000 Teilen Altbestand sind das 480 bis 600 Euro allein für die Erstausstattung, dazu laufend für jede neue Kollektion. Details und Bauformen auf unserer Seite zu RFID-Etiketten.
- Ein RFID-Drucker. Ohne ein Gerät, das Etiketten bedruckt und im selben Arbeitsgang den Chip beschreibt, können Sie keine eigene Ware auszeichnen. Was ein solcher Drucker leistet und was er kostet, steht auf unserer Seite zum RFID-Drucker.
- Ladelösung und Ersatzakku. Weil der EM45 keinen Hot-Swap kann, ist ein zweites Gerät oder eine Powerbank die einzige Reserve. Eine Mehrfach-Ladestation lohnt sich, sobald mehrere Mitarbeiter Geräte bekommen.
- Schutzhülle und Trageschlaufe. Bei einem Smartphone-Formfaktor kein Luxus, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Sturzfestigkeit im Alltag greift.
- Software und Anbindung. Das Gerät zählt, aber es führt keinen Bestand. Sie brauchen eine Anwendung, die Etiketten mit Artikeln verheiratet, Zählungen gegen den Soll-Bestand rechnet und die Ergebnisse an Ihr Kassensystem übergibt.
- Einrichtung und Einweisung. Geräteprofil, WLAN, Mobile-Device-Management, Testlauf. Rechnen Sie für die reine Einweisung des Personals mit rund einer halben Stunde, für die technische Einrichtung mit deutlich mehr.
Zubehör, Laden und Software
Beim Zubehör ist die Datenlage dünner als bei Zebras Handheld-Familien. Für den RFD40 und den TC22R sind Ladestationen, Batterie-Toaster, Holster und Adapter im Datenblatt benannt. Für die EM45-Serie führt das uns vorliegende Spec-Sheet keine konkreten Ladelösungen auf. Gesichert ist der USB-C-Anschluss nach 3.1 mit Host- und Client-Betrieb und OTG-Ladung. Welche Cradles Zebra für die EM45-Serie anbietet, klären Sie am besten direkt im Angebot – wir führen hier nichts auf, was wir nicht belegen können.
Deutlich besser dokumentiert ist die Softwareseite, und sie ist der eigentliche Grund, warum man ein Enterprise-Telefon statt eines Consumer-Handys kauft. Zebra liefert die DNA-Enterprise-Suite mit über 20 Anwendungen mit.
- StageNow. Geräte werden per Barcode oder NFC in einem definierten Zustand ausgerollt: WLAN-Profil, Apps, Einstellungen, Sperren. Statt jedes Telefon einzeln einzurichten, scannt der Mitarbeiter einen Code.
- Enterprise Home Screen. Ein reduzierter Startbildschirm, auf dem nur die freigegebenen Anwendungen erscheinen. Damit wird aus dem Telefon ein Arbeitsgerät und kein Privathandy mit Firmenlogo.
- LifeGuard. Zebras Programm für Sicherheitsupdates über die übliche Consumer-Lebensdauer hinaus. Zusammen mit A16 als finaler Android-Version ist das die Zusage, dass das Gerät über Jahre gepflegt wird. Ein konkretes Support-Enddatum ist für den EM45 nicht veröffentlicht.
- Device Guardian und Identity Guardian. Geräte- und Anmeldeschutz. Identity Guardian ist lizenzpflichtig, also nicht im Gerätepreis enthalten.
- Zertifizierungen. Android Enterprise Recommended, Wi-Fi-6-Zertifizierung und ARCore-Unterstützung sind ausgewiesen.
Für die RFID-Seite gilt: Zebra stellt für seine UHF-Geräte SDKs für Android bereit, mit denen eine Fachanwendung das Lesemodul ansteuert. Ob und in welchem Umfang das EM45-RFID-Modul über dieselben Schnittstellen angesprochen wird wie die Handheld-Familie, geht aus den uns zugänglichen Quellen nicht hervor. Wenn Sie eine eigene oder eine fremde RFID-Anwendung einsetzen wollen, ist das die erste Frage an den Hersteller: Welches SDK, welche Version, welche Beispiel-App. Grundlagen dazu finden Sie auf unserer Seite zu RFID-Readern.
Alternativen im Vergleich
Die folgende Tabelle stellt den EM45 RFID den anderen Geräten dieser Rubrik gegenüber. Die beiden Spalten, auf die es im Modehandel ankommt, sind Reichweite und Leserate – und dort liegt der EM45 am unteren Ende.
| Gerät | Bauform | Reichweite | Tags/s | Preis mit Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Zebra EM45 RFID | Smartphone | bis 1,2 m | 20 | 1.138 USD (Atlas RFID) |
| Zebra RFD40 | Sled zum Aufstecken | 6+ m | 1.300+ | ab 839 € netto (ico.de) |
| Zebra TC22R | Handheld mit Pistolengriff | 12,2 m (US-Spec) bzw. 24,4 m (EU-Spec) | 1.300 | 1.295 € netto (MicroNordic) |
| Zebra TC201 | Mobilcomputer, RFID optional | rund 1,2 m | 200+ | 648,83–881,34 € netto (AutoID Warehouse) |
| Zebra DS9908R | Kassenscanner | rund 45,7 cm | nicht spezifiziert | ab 1.079,91 USD (Barcodes Inc.) |
| MEFERI ME87 | Android-Handheld | max. 2 m | 200 | nicht öffentlich |
Reichweiten sind Nominalwerte aus Hersteller- oder Händlerangaben und im Freifeld gemessen. Beim TC22R widersprechen sich Zebras eigene Datenblätter: Das europäische Spec-Sheet nennt 24,4 m, das US-Spec-Sheet desselben Geräts 12,2 m. Preise in USD sind bewusst nicht umgerechnet.
Wann ein anderes Gerät besser passt
Sie wollen die Jahresinventur in ein bis zwei Stunden erledigen. Dann nehmen Sie ein Gerät mit mehreren Metern Reichweite. Der TC22R ist für einen einzelnen Laden meist die saubere Lösung: ein Gehäuse, ein Akku, eine Ladeschale, kein Adapter-Matching. Der RFD40 ist die Wahl, wenn Sie ohnehin passende Zebra-Mobilcomputer im Haus haben und das Sled aufstecken können.
Ihre Mitarbeiter brauchen ohnehin ein Diensttelefon. Dann ist der EM45 RFID genau richtig – als Zweitgerät für den Alltag neben einem Inventur-Handheld, das zweimal im Jahr herauskommt. Diese Kombination ist teurer als ein einzelnes Handheld, löst aber zwei Probleme statt einem.
Sie wollen die Kasse beschleunigen. Dann brauchen Sie gar kein mobiles Gerät, sondern einen Präsentationsscanner. Der DS9908R liest Barcode und UHF im selben Gehäuse, mit bewusst kurzer Reichweite von rund 45,7 Zentimetern, damit nicht versehentlich die Nachbarware mitgezählt wird.
Sie planen für 2027 und wollen eine Zukunftsplattform. Dann sehen Sie sich den TC201 an. Er ist günstiger, robuster und moderner ausgestattet. Aber seine RFID-Variante ist in Europa erst für Ende 2026 angekündigt, und mit rund 1,2 Metern liegt er bei der Reichweite auf demselben Niveau wie der EM45. Ein Blick lohnt auch auf den MEFERI ME87 mit prozessorintegriertem RFID – für den es allerdings weder einen öffentlichen Preis noch einen erkennbaren europäischen Vertriebskanal gibt.
Eine Übersicht aller Geräte mit Kennwerten nebeneinander finden Sie in der Rubrik RFID-Hardware. Wenn Sie erst einmal verstehen wollen, wie UHF-RFID grundsätzlich funktioniert und warum manche Etiketten nicht gelesen werden, beginnen Sie besser bei den RFID-Grundlagen.
EU-Funkzulassung und was Sie prüfen müssen
In Deutschland arbeitet UHF-RFID im Band 865 bis 868 MHz mit maximal 2 Watt ERP, geregelt in ETSI EN 302 208. Geräte, die nur das US-Band 902 bis 928 MHz beherrschen, dürfen hier nicht betrieben werden. Für den EM45 RFID ist öffentlich nur das FCC-Band belegt, die Beispiel-SKU EM45A2-3T106B0-NA trägt die Regionskennung für Nordamerika. Die EU-Bandkonfiguration ist deshalb vor jeder Beschaffung schriftlich zu bestätigen.
Die Regeln sind überschaubar. UHF-RFID ist in Europa in ETSI EN 302 208 geregelt, aktuelle Fassung V3.4.1 vom Dezember 2023. Das Hauptband liegt bei 865 bis 868 MHz mit bis zu 2 Watt ERP, zusätzlich steht das obere Band 915 bis 921 MHz mit bis zu 4 Watt zur Verfügung. Der Betrieb läuft in Deutschland im Rahmen einer Allgemeinzuteilung. Sie müssen also kein Gerät bei der Bundesnetzagentur anmelden und keine Frequenz beantragen, solange Sie ein zugelassenes Gerät im vorgesehenen Rahmen betreiben.
Ein häufiges Missverständnis betrifft die Leistungsgrenzen. In den USA sind 4 Watt EIRP erlaubt, in Europa 2 Watt ERP. Das klingt nach dem Doppelten, ist es aber nicht: 2 Watt ERP entsprechen etwa 3,3 Watt EIRP. Der US-Grenzwert liegt also nur rund 20 Prozent höher. Wer amerikanische Reichweitenangaben sieht, sollte sie nicht pauschal halbieren.
Wichtiger ist das Band selbst. Ein Gerät, das nur 902 bis 928 MHz sendet, darf in Deutschland nicht betrieben werden. Dieser Bereich ist hier anders belegt, und der Betrieb wäre eine unzulässige Nutzung. Deshalb ist bei jeder Beschaffung die Regionsvariante der Artikelnummer zu prüfen. Zebra kennzeichnet die Region üblicherweise im SKU-Suffix.
Der offene Punkt beim EM45 RFID
Genau hier liegt beim EM45 RFID die Unsicherheit, und wir benennen sie klar: Die einzige uns zugängliche Frequenzangabe für die RFID-Ausführung lautet FCC 902 bis 928 MHz. Die bekannte Beispiel-SKU EM45A2-3T106B0-NA endet auf die Regionskennung für Nordamerika. Ob Zebra eine europäische Ausführung mit 865 bis 868 MHz führt, mit welcher Sendeleistung sie arbeitet und welche EPC-Protokolle sie unterstützt, konnten wir aus öffentlichen Quellen nicht belegen. Das offizielle Zebra-Spec-Sheet zur RFID-Version beantwortet automatisierte Abrufe mit einer Fehlermeldung und war am 26.08.2026 auf diesem Weg nicht prüfbar.
Was das für Sie heißt: Bestellen Sie kein Gerät ohne schriftliche Bestätigung des Distributors, dass es sich um eine EU-Ausführung für 865 bis 868 MHz handelt und dass die zugehörige Funkprüfung nach ETSI EN 302 208 vorliegt. Lassen Sie sich außerdem bestätigen, welche EPC-Protokolle unterstützt werden – praxisrelevant ist EPC Class 1 Gen 2 beziehungsweise Gen2 V2, weil praktisch alle Modeetiketten darauf beruhen.
Das CE-Zeichen allein beantwortet diese Frage übrigens nicht. CE ist eine Herstellererklärung, dass das Produkt den einschlägigen EU-Vorschriften entspricht – bei Funkgeräten der Funkanlagenrichtlinie. Ein Gerät kann CE tragen und trotzdem in einer Konfiguration ausgeliefert werden, die für einen anderen Markt bestimmt ist. Entscheidend ist, welches Band die konkret gelieferte Artikelnummer sendet, nicht welches Zeichen auf der Verpackung steht.
Häufige Fragen zum Zebra EM45 RFID
Hat die Zebra EM45 RFID an Bord?
Nur die eigene Ausführung EM45 RFID. Die Basis-EM45 hat ausschließlich NFC für Karten und Ausweise, aber kein UHF-Lesemodul. UHF ist die Technik, mit der RFID-Etiketten an Kleidung über Entfernung gelesen werden. Wer die Basisversion kauft und RFID-Etiketten lesen will, hat das falsche Gerät gekauft. Diese Verwechslung ist der häufigste Fehlkauf bei diesem Modell.
Wie weit liest der Zebra EM45 RFID?
Bis 1,2 Meter, Quelle Atlas RFID. Das ist Nahfeld: Sie müssen mit dem Telefon an jedes einzelne Warenstück heran. Ein Sled wie der Zebra RFD40 liest über 6 Meter und tastet einen ganzen Kleiderständer aus dem Gang ab. Der Unterschied zwischen 1,2 und 6 Metern entscheidet, ob eine Inventur zwei Stunden oder einen halben Tag dauert.
Wie viele Tags pro Sekunde schafft das Gerät?
20 Tags pro Sekunde laut Atlas RFID. Zum Vergleich: Der Zebra RFD40 und der TC22R schaffen bis zu 1.300 Tags pro Sekunde, also das 65-fache. Rein rechnerisch wären 4.000 Teile bei 20 Tags/s in gut drei Minuten gelesen. Der Engpass ist aber nicht die Leserate, sondern die Reichweite von 1,2 Metern.
Kann ich mit dem EM45 RFID eine Vollinventur machen?
Technisch ja, praktisch nicht sinnvoll. Bei 1,2 Metern müssen Sie an jedes Teil heran, auch an obere Regalböden, gestapelte Ware und die hinteren Reihen im Lager. Nach unserer Hochrechnung landen Sie bei 4.000 Teilen eher bei drei bis fünf Stunden statt bei ein bis zwei. Für die Vollinventur nehmen Sie ein Gerät mit mehreren Metern Reichweite.
Wofür ist der EM45 RFID dann gut?
Für Einzelartikel-Prüfung, Stichproben in der Warenannahme, Preisauszeichnung und die Suche nach einem einzelnen Teil im Laden. Also überall dort, wo ein Mitarbeiter ohnehin ein Diensttelefon braucht und die RFID-Funktion nebenbei mitläuft. Als Zweitgerät neben einem Inventur-Handheld ergibt das Sinn, als einziges RFID-Gerät im Laden nicht.
Welche Frequenzen und welche Sendeleistung nutzt der EM45 RFID?
Belegt ist nur FCC 902 bis 928 MHz, also das nordamerikanische Band, Quelle Atlas RFID. Ob und mit welcher Sendeleistung eine EU-Ausführung mit 865 bis 868 MHz angeboten wird, konnten wir nicht verifizieren, weil das Zebra-Spec-Sheet zur RFID-Version automatisierte Abrufe blockiert. Auch die unterstützten EPC-Protokolle sind für diese Variante nicht öffentlich belegt. Vor einer Beschaffung in Deutschland schriftlich beim Distributor bestätigen lassen.
Kann der EM45 Barcodes scannen?
Ja, aber nur über die Kamera mit Zebras Decoder-Bibliothek. Eine dedizierte Scan-Engine wie die SE4710 im TC22R hat das Gerät nicht, und einen Hardware-Trigger zum Auslösen gibt es ebenfalls nicht. Für gelegentliches Scannen reicht das. Für hunderte Scans am Tag ist eine echte Imager-Engine spürbar schneller und ermüdungsfreier.
Was kostet der Zebra EM45 RFID in Deutschland?
Ein deutscher Listenpreis ist nicht öffentlich. Belegt ist 1.138 USD bei Atlas RFID, Stand 08/2026. Wir rechnen diesen Betrag bewusst nicht in Euro um, weil Zoll, Distributionsmarge, Garantieumfang und die Frage der EU-Ausführung den deutschen Preis bestimmen, nicht der Wechselkurs. Verbindlich ist nur ein Angebot eines EU-Distributors.
Sie wollen Ihren Bestand endlich in Echtzeit sehen?
HANGCOUNT bietet RFID-Bestandsführung für Modeläden, Boutiquen und Sportfachgeschäfte: Software ab 99 Euro im Monat pro Standort, dazu einmalig 2.900 Euro für die Hardware aus RFID-Drucker und Handheld, eingerichtet geliefert und mit Einweisung. Etiketten kommen mit rund 12 Cent pro Stück nach Verbrauch dazu. Die Übergabe an Ihr Kassensystem läuft über CSV oder Excel. Alle Preise netto.
Passt dazu
Quellen und Abrufdatum
Alle Angaben auf dieser Seite stammen aus den folgenden Quellen. Herstellerangaben sind als solche gekennzeichnet. Wo eine Angabe nicht verifizierbar war, steht das im Text.
- Zebra: EM45 Enterprise Mobile Spec Sheet (GB) – Display, Prozessor, Speicher, Kamera, NFC, Akku 4.750 mAh / 18,43 Wh, Maße, 243 g, IP68 und IP65, Sturz, Betriebstemperatur, Funk, USB-C. Abgerufen am 26.08.2026. In diesem Dokument ist kein UHF-RFID aufgeführt.
- Zebra: EM45 RFID Enterprise Mobile Spec Sheet (US) – am 26.08.2026 nicht automatisiert abrufbar, der Server beantwortet Anfragen mit HTTP 406. Die RFID-Kennwerte auf dieser Seite stammen deshalb aus der Händlerquelle darunter.
- Zebra: EM45-Serie, Produktübersicht (GB) – Positionierung, Zebra DNA, Software. Abgerufen am 26.08.2026, ebenfalls mit HTTP 406 beantwortet.
- Atlas RFID Store: Produktseite Zebra EM45 RFID Enterprise Mobile Computer – 1.138 USD, bis 1,2 m Reichweite, 20 Tags/Sekunde, FCC 902–928 MHz, Akku 5.000 mAh / 19,4 Wh. Abgerufen am 26.08.2026. Sendeleistung und EPC-Protokolle sind dort nicht angegeben.
- Zebra: Supported Android Versions – A16 als finale unterstützte Version für die EM45-Serie. Ein Support-Enddatum ist dort nicht veröffentlicht. Abgerufen am 26.08.2026.
- ETSI: EN 302 208 V3.4.1 (2023-12) – 865–868 MHz mit bis zu 2 W ERP, zusätzlich 915–921 MHz mit bis zu 4 W. Abgerufen am 26.08.2026.
- GS1: UHF-Frequenzübersicht – regionale Bänder und Leistungsgrenzen im Vergleich. Abgerufen am 26.08.2026.
- Vergleichswerte der anderen Geräte dieser Rubrik: Zebra RFD40 Spec Sheets (Standard und Premium), Zebra TC2xR-Serie Spec Sheet, Zebra DS9908/DS9908R Spec Sheet, MEFERI ME87 Specification Sheet (EN, liegt dem Projekt vor). Preisquellen ico.de, swaags.de, micronordic.com, autoidwarehouse.com, barcodesinc.com, jeweils Stand 08/2026, abgerufen am 26.08.2026.